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Ausstellungen: Berlin · S. 366 - 366
Ausstellungen: Berlin , 1990

Michael Nungesser
Michael Tracy

»The Rio Grande, my Berlin Wall«
Raab Galerie, Berlin, 1.9. – 7.10.1990

Als Teil der gemeinsamen Galerieaktion zu dem Ausstellungsprojekt „Die Endlichkeit der Freiheit“ in Berlin-Ost und -West zeigt die Raab Galerie die erste Berlin-Ausstellung des US-amerikanischen Künstlers Michael Tracy, zugleich die erste europäische Einzelschau des 1943 in Bellevue/Ohio geborenen Künstlers.

Betritt man die Galerie, wird man sogleich durch ein monumentales Kunstwerk in Bann gezogen, das Tracy als Hommage an Berlin eigens für diese Ausstellung installiert hat. Als eine Art „shaped canvas“ bildet es ein Altartriptychon, nicht aus Leinwand, sondern aus 7 000 dunkelroten Rosen, befestigt während eines Tages auf einem nicht sichtbaren Drahtgeflecht. Anfangs in voller Blüte stehend, bewirkt das Welken eine Verfärbung, die an trockenes Blut denken läßt. Vor „The Berlin Tryptych“ steht das rund zehn Jahre alte „Kreuz für Bischof Oscar Romero“ in Erinnerung an den 1980 ermordeten Bischof von El Salvador. Das Werk, einem mit Hörnern, Nägeln, ikonenartigen Bildern, getrockneten Blumensträußen und Zeitungsfotos behängten Tragealtar, widmet Tracy „meinen mittelamerikanischen Brüdern, die mit der täglichen Erfahrung vom Wahnsinn des Terrors und der schrecklichen Verwüstung des Krieges in die achtziger Jahre gehen“.

Duftig-transparente Rosenwand und skulpturale Leidensstation sind Ausdruck von Tracys künstlerischer Konzeption: seine enge Anbindung an religiöse Opferkulte, der Rückbezug auf das Ritual als eine der Quellen der Kunst. Tracy ist katholisch erzogen worden, war lange Jahre Meßdiener; in San Ygnacio nahe der mexikanischen Grenze lebend, seit Jahren auch oft in Mexiko zu Hause, ist ihm die mit indianischen Zeremonien durchsetzte katholische Liturgie vertraut. Inspiriert durch die…



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