Ausstellungen: Berlin · von Jutta Schenk-Sorge · S. 338
Ausstellungen: Berlin , 1999

Jutta Schenk-Sorge

Mirjam Kuitenbrouwer

»Verenigde Uitzichten – Vereinte Aussichten«

Wohnmaschine, Berlin, 14.1. – 7.3.1999

Globalisierung, Internet, Cyberspace, virtuelle Realität, 3-D-Verfahren, neue Schlagworte und neue Medien haben dem Phänomen „Raum“ und seiner visuellen Darstellung unerwartete Aktualität verschafft. Das besondere Interesse gilt der Schöpfung künstlicher Räume und imaginärer Architekturen und dieses Thema fasziniert auch Künstler jenseits der Computerwelt. So bedient sich die junge Niederländerin Mirjam Kuitenbrouwer (Jahrgang 1967) zwar herkömmlicher Medien, reflektiert „Raum“ und „Architektur“ aber doch auf eigene und vielschichtige Weise. Bisher arbeitete sie mit kombinierten Collagen aus Malerei, Fotos, Zeichnungen, Klebeband und Schrift und schuf damit eigenwillige Interieurs. Jetzt erprobt sie ihre Konzepte auch in dreidimensionaler Form. „Vereinte Aussichten“, ihre erste deutsche Soloschau, zeigt vier Skulpturen, die sich als Landschafts- und Architekturmodelle präsentieren. Die Modellform stellt für die Künstlerin die reinste Verkörperung von Ideen dar, bleibt sie doch ungetrübt von den Realitäten der Ausführung. Irreal bis surreal wirken ihre eigenen Modelle. Das titelgebende Werk, eine durchsichtige Miniaturarchitektur sitzt hoch an der Wand wie ein tibetanisches Kloster. Es besteht ausschließlich aus Fenstern, eben den „vereinten Aussichten“. Das subtil Antropomorphe dieser Architekturen mit ihren Augenfenstern weckt Erinnerungen an Kindheitsfantasien und Trickfilme und das Gefühl beobachtet zu werden, obwohl niemand da ist. Tatsächlich steht die Künstlerin mit ihrem Blick dahinter. Sie postuliert eine Analogie zwischen Denkstrukturen und der Strukturierung von Raum durch die umschließende Architektur und identifiziert sich mit ihren Objekten. Ein weiteres Werk thematisiert sehr explizit Kuitenbrouwers Gedanken zu Wahrnehmungsprozessen. Sie materialisieren sich hier als graue Berglandschaft, in der ein schwarzes Kameragehäuse wie eine einsame Seilbahnstation…

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