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Magazin: Briefe · S. 338 - 337
Magazin: Briefe , 1988

Offener Brief

Anlaß für diesen Brief ist folgender, vom Senat der Akademie gefaßter Beschluß: Der Raum 2, d.h. das ehemalige Atelier von Joseph Beuys, soll Anfang April zu einem Lehrerzimmer umgebaut werden; die Pläne des Innenausbaus sind bereits von Architekten (Haus-Rucker) erarbeitet worden. Diese Entscheidung und die nun anstehende „Nutzungsänderung“ wirft einige Fragen auf, innerhalb der Anstalt, unter den Lehrenden, den Mitarbeitern und innerhalb der Studentenschaft, vermutlich aber auch über die Akademie hinaus. Warum ist besagter Raum von einer bestimmten Fraktion des Lehrkörpers für ein von ihr gewünschtes „Professorenzimmer“ gewählt worden, und warum ist darüber hinaus innerhalb der Akademie von einer Beschlußfassung nicht diskutiert worden? Um diese Fragen zu beantworten, muß ein wenig Geschichte dargelegt werden. Dieser Raum 2 war seit 1961 das Akademieatelier von Joseph Beuys: 1972 wurde Beuys vom damaligen Wissenschaftsminister Johannes Rau fristlos entlassen, erhielt das Anrecht auf den Raum und seinen Professorentitel 1978 nach einem gerichtlichen Vergleich zurück und stellte ihn der FID (Free International University) zur Verfügung. Sein Verfügungsrecht endete IL Vertrag mit dem vollendeten 65. Lebensjahr, das er nicht mehr erreichte. Nach seinem Tod nutzte die F1U den Raum bis zum ausgemachten „Jour Fix“. Damit endete eine historische Ära, und der Raum wurde wieder von der Akademie verwaltet, gleichzeitig begann eine schleichende Demontage einer bis dahin einzigartigen Einrichtung. Klaus Staeck erhielt eine auf drei Semester befristete Gastprofessur und den Lehrauftrag, sich mit dem „Erweiterten Kunstbegriff‘ im Rahmen seiner Tätigkeit auseinanderzusetzen. Unmittelbar vor dieser Übergangszeit wurde die dort installierte „Fettecke“ zerstört Am 31.3. dieses Jahres endet…

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