Ausstellungen: Bremen · von Stefan Römer · S. 379
Ausstellungen: Bremen , 1999

Stefan Römer

»Original – echt/falsch«

Nachahmung, Kopie, Zitat, Aneignung,

Fälschung in der Gegenwartskunst

Neues Museum Weserburg, Bremen, 25.7. – 24.10.1999

Das Thema betrifft jegliche künstlerische Praxis. Seit der Entstehung der Institution der Kunst zieht es sich wie ein roter Faden durch sie hindurch. Vielleicht sind sogar deren Halteseile und Kommunikationskanäle daraus gesponnen. Es geht um das Original. Der Leiter des Neuen Museums Weserburg, Thomas Deecke, widmet dem Thema „Wir haben die Originale“ (zusammen mit fünf anderen Bremer Museen) die diesjährige Hauptausstellung. Große Namen wurden eingeladen: Von Andy Warhol sind zwei Variationen eines Portraits von Friedrich dem Großen (1986) zu sehen, von Cindy Sherman ein Selbstportrait (1990) sowie ein Kaffeeservice (1990), von Gerhard Richter ein verwischtes Ölbild einer Gruppe Matrosen (1966) sowie ein abstraktes Ölbild (1971). In diesen Beispielen geht es mit je unterschiedlichen Intentionen um Prozesse der Verfremdung durch Reproduktion der Vorlage in einem anderen Medium. Elaine Sturtevant zeigt die Marilyn Monroe-Adaptionen „Warhol Diptyc“ (1973), allerdings nicht die legendären „Warhol Flowers“, die sie in den 60er Jahren unter den Augen Warhols in der Factory mit dessen Sieben druckte und anschließend mit dem eigenen Namen signierte.

Ebenfalls ist eine Reihe von Pissoirs zu sehen, die sich auf Marcel Duchamps „Fontain“ beziehen: Sie werden in Bronze, durch Vergoldung veredelt, auf das Podest gehoben (Sherrie Levine), sozusagen originalgetreu rekonstruiert (Sturtevant), mit einem Stein zertrümmert (Jimmy Durham) und die einzig existierende Fotografie von Duchamps Pissoir mit einem Druckverfahren auf Leinwand übertragen (Richard Pettibone). Hier geht es also um die medial unterschiedliche Verwendung des Readymade als Readymade aus der Kunst. Man…

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