Ausstellungen: Bordaux , 2000

Uta M. Reindl

»Presumés innocents.
L’Art contemporain et l’enfance«

CAPC Bordeaux, 8.6. – 1.10.2000

Spätestens seit der Entdeckung von pubertierenden Kindern durch die Technokunst-Szene dürften Jugendliche als Gegenstand für Bildende Kunst ganz angesagt sein, greifen Künstler häufiger zu kindlichen oder jugendlichen Repräsentationsstrategien. Dem widmete sich „Présumes Innocents“, zu Deutsch „Vermeintlich Unschuldig“, eine umfassende Ausstellung im Museum für zeitgenössische Kunst (CAPC) in Bordeaux. Die Anzüglichkeit mancher Exponate führte zum Eklat zwischen dem Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé, und dem CAPC-Chef, Henry Claude Cousseau, so dass der Museumsleiter sein Amt aufgab. (Der politisch überkorrekte und offensichtlich streitbare Bürgermeister hatte ja schon Cousseaus Vorgänger Jean Louis-Froment wegen angeblicher Misswirtschaft erfolgreich zum Rücktritt getrieben.) Begrüßt wurde der Besucher im Foyer des CAPC durch ein überdimensionales Gruppenfoto mit schrill aufgemachten Youngsters von Olaf Breuning, er gelangte dann in den von Exponaten reichlich zugestellten Hauptsaal des Museums, der sehr an einen Abenteuerspiel- oder Bolzplatz erinnerte: mit dem Pinocchio – Haus sowie dem Riesen-Plüschtier-Ensemble von Paul McCarthy und Maren Goldbergs heiterer Kissenlandschaft oder auch mit Elke Krystufeks Psycho-Geisterbahn, einer autobiografisch ausstaffierten Zeltkonstruktion zum Durchkrabbeln. Dass es hier um alles andere als um eine heile Kinderwelt gehen würde, signalisiert der Ausstellungstitel, machten allerdings auch die bedrückten Gesichter etlicher Besucher auf dem Rundgang deutlich.

Die Arbeiten von Bertrand Lavier (Scateboard-Sculptur) oder François Morellet (Neonskulptur nach Kinderzeichnung) spiegelten über den Spieltrieb der Künstler hinaus eine unbelastete Sicht vom Kindsein. Dass Kinderspielzeug oft Bestandteil ihrer melancholischen Installationen wird, weiß man bei Annette Messager. Cosima von Bonin integrierte Babykleider in ihre Wandarbeit „Club 33“ und…

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von Uta M. Reindl

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