Ausstellungen: Hamburg-Harburg · von Roland Schappert · S. 284
Ausstellungen: Hamburg-Harburg , 2005

Roland Schappert

„Selbstporträt/Identität“

Boran Burchhardt, Bernhard Fruehwirth,
Mathilde ter Heijne, Pitt Sauerwein
Kunstverein Harburger Bahnhof e.V., 30.10. – 19.12.2004

Der Ausstellungstitel „Selbstporträt/Identität“ verführt zu einer kleinen Zeitreise: Wie war das noch im Zeitalter der so genannten Postmoderne? Ging es da nicht um die Auflösung von Identität und war das Selbst nicht ein Spiegelbild unendlicher Übergänge und Pluralitäten? Erinnert man sich da nicht gleich wieder an populäre Zeitgeistphilosophen wie Wolfgang Welsch: „Leben unter heutigen Bedingungen ist Leben im Plural, will sagen: Leben im Übergang zwischen unterschiedlichen Lebensformen.“ (Wolfgang Welsch in „Ästhetisches Denken“, 1990) Identitätsvervielfachung hieß plötzlich das Zauberwort der Stunde, die durch eine „transversale Vernunft“ in den Griff zu kriegen sei, um allen reduktionistischen Einheitsbeschwörungen trotzen zu können. Ein hochgestecktes Ziel war auch die Verabschiedung aller Einheitsträume. Postmoderne sollte alle totalitären Obsessionen überwinden und Lyotards „widerstreitenden Sprachspiele“ sowie die Aufweichung der Unterschiede von Gesundsein und Schizophrenie bei Deleuze und Guattari waren Versatzstücke im Puzzle aktueller Subjektbildungen mit dem Ziel: Grundlagen für neue multiple Identitäten zu schaffen. Cindy Shermans inszenierten Rollenspiele und Madonnas Wandlungsfähigkeit „Who `s that girl?“ verdeutlichten jene Typen von Individualisierung, die „Pluralisierung zur Essenz“(Welsch) machten. Der Unterschied schien hier nur noch darin zu bestehen, dass Sherman von einer reflektierten KünstlerInnenkonzeption ausging, die irritierte, weil sie die Wechsel brüchig ließ und ein Postar wie Madonna totale Affirmation betrieb, recycelte und durch mehr oder weniger perfekte Aneignungen ungebrochen beeindruckte.

Wenn man 2004 in einem kleinen Kunstverein diese Thematik mit jungen KünstlerInnen aufnimmt und Identitätsfragen weiterführen will, gilt es zunächst „den Ball eher flach…

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