Titel: Out of Africa , 2005

Heinz-Norbert Jocks

Die imaginären Welten der Künstler

Gespräch mit Pascale Marthine Tayou (Kamerun)

H.-N.J.: Mit deinen Fotos näherst du dich dem, was du „L`urbanité rurale“, also „Dörfliche Urbanität“ nennst..

Pascale Marthine Tayou : Ja, nur verstehe ich das Bild nicht als etwas Dokumentarisches. Aber warum nicht? Es handelt sich ja durchaus um eine Dokumentation über selten fotografierte Orte auf dem Land mit bestimmter Atmosphäre, die kaum ausgestellt werden.

Was reizt dich daran?

Mir ging es um die Suche nach dem Anteil an Humanität dort. Ich habe übrigens diesen ländlichen Raum „mein Dorf“ genannt. Als jemand, der in der Stadt geboren und aufgewachsen ist, finde ich auf dem Land meine Tradition wieder. Dabei spiele ich auch mit der Idee der imaginären Übertragung von Träumen. Die meisten Menschen, die auf dem Land wohnen, möchten immer abhauen. Sie glauben, woanders sei es besser. Im allgemeinen wird man, sobald man woanders ist, dessen überdrüssig und will zurückzukehren, um sich neu zu konstruieren. Wer heimkehrt, hat immer das Gefühl, nie weg gewesen zu sein. Aber das stimmt nicht, man ist anders geworden. Nach seiner Rückkehr verändert der Heimgekehrte den Raum. Er macht Dinge, und was er macht, entspricht seinem eigenen Bild. Demjenigen, der abhaut, wird nachgesagt, er komme aus dem oder jenem Dorf. Wieder zurück, hat er seine Identität verloren. Es werden Cafés und Strassen gebaut, der ländliche Raum wird städtischer. Für diese Wandlungen interessiere ich mich. So machte ich Bilder von meinem Dorf. Da sind die Strasse, der Staub und die Spuren, die Menschen hinterlassen….

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von Heinz-Norbert Jocks

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