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Ausstellungen: Baden · von Vitus H. Weh · S. 410 - 411
Ausstellungen: Baden , 1998

Vitus H. Weh
Sharawadgi

Felsenvilla, Baden, 18.10. – 20.12.1998

Zahlreiche japanische Touristen besuchen die südlich von Wien gelegene Kurstadt Baden einzig deshalb, weil dort Ludwig van Beethoven ab 1822 seine Neunte Sinfonie komponiert hat. Was solche Pilger suchen, ist nicht das historische Werk. Interessanter als irgendwelche Reliquien ist ihnen die Umgebung, der “Genius Loci”, aus dem das Ereignis gleichsam natürlich erwuchs. Die Situation als Humus und Quelle des Kunstwerks sozusagen. In Baden gehören dazu die sanften Hügel des Wienerwalds mit ihren Aussichtspunkten und Wegen. Daß sich Beethoven auf seinen Wanderungen darin öfters heillos verirrte, hat genauso Anteil am Entstehen seiner Neunten Sinfonie, wie die Badener Biedermeier-Stimmung, die Villenarchitektur oder die Geschichte des Wiener Kongresses.

Der Grund, über diese spezielle Rezeption einer Orts-Atmosphäre zu sprechen, ist die Ausstellung “Sharawadgi”, die der Wiener Galerist Christian Meyer extra für Baden zusammengestellt hat, genau genommen für die dortige private “Felsenvilla”, ein kristallines Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert, gelegen am Hang, inmitten alter Bäume. Werke von Stephan Dillemuth, Olafur Eliasson, Rodney Graham, Gerhard Richter, Florian Pumhösl, Robert Smithson, Donald Judd, René Green, Heimo Zobernig, Tacita Dean, Stan Douglas, Gerwald Rockenschaub, Peter Fischli und David Weiss, Dan Graham, Charles und Ray Eames waren angekündigt, und beim Gang durch die Räume vor Ort konnte man sich die japanischen Touristen durchaus als Vorbild nehmen. Wenn man jenseits von “Kontextbezug” mehr auf paradoxe “Stimmung” achtete, ergab sich aus den ausgestellten Werken die präzise Freilegung eines Moderne-Strangs, der von der Romantik bis in die Gegenwart reicht. Es ist die erstaunliche Erzählung, wie sich…


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