Ausstellungen: Schwerin , 1997

Amine Haase

Sigmar Polke

»Transit«

Staatliches Museum, 13.10.1996 – Mitte Januar 1997

Für die Manipulierbarkeit der Bilder findet Sigmar Polke immer wieder Beispiele, die zweidimensional flach an die Wände von Galerien und Museen zu hängen sind. Es sind formale Exempel, die der Maler mit allen erdenkbaren Tricks statuiert – nach mittelalterlichen Chemie-Rezepten oder nach neuesten Medien-Theorien, mit ostasiatischem Wissen und kölscher Keckheit. Wer in der Jetzt-Zeit und dreidimensional vor diesen Lehrstücken steht, der erfährt tatsächlich einiges über Manipulation. So jüngst in einer ungewöhnlichen Ausstellung, die Kornelia von Berswordt-Wallrabe in dem von ihr geleiteten Staatlichen Museum in Schwerin organisierte.

„Transit“ heißt diese Schau, die – ein paar Monate vor der in Bonn geplanten großen Polke-Ausstellung – moralische Aspekte von Manipulation beleuchtet. Diese bei Polke stets vorhandene, aber oft übersehene Blickrichtung mit der heute fast altmodisch anmutenden Bezeichnung kommt in ziemlich giftigem Outfit daher. Blumen des Bösen überziehen wie Eisgewächse die Museumsmauern, wuchern weiter im Kopf dessen, der sich ihnen nähert.

Reichlich rücksichtslos erscheint dem West-Besucher Polkes „Transit“-Parabel. Vielleicht unterschätzt er Neugier und (Selbst-)Erkenntnis-Wünsche der Kunstfreunde im Osten. Aber woher nimmt Polke, angespornt von der Museumsleiterin, diesen Mut zur Einmischung? Die Tatsache, daß Polke 1941 in Schlesien geboren wurde und als Kind ein paar Jahre in Thüringen lebte, bevor er mit zwölf im Rheinland ankam, reicht wohl kaum für eine Ost-Verbindung. Schon eher erschließt sich ein solches Ost-Verständnis über die paradox erscheinende Umkehrung – typisch Polke? Nämlich über den „Kapitalistischen Realismus“, dem er in den frühen sechziger Jahren zusammen mit Gerhard Richter und dem vor kurzem in Düsseldorf…

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