Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

Kanada

George Bures Miller, Janet Cardiff

Kommissare: Wayne Baerwaldt

Assistenz: Jon Tupper

Augenzeugen leben im Ungewissen: In seinem Film „Blow Up“ (1966) zeigt Michelangelo Antonioni, wie mittels photographischer Vergrößerungstechnik ein Verbrechen aufgedeckt wird, das der passagere Blick ohne dieses Verfahren nie zutage gebracht hätte. Eingebunden in eine Story über die verwirrenden Erlebnisse eines jungen Mannes wird hier ein Beispiel für die von Jonathan Crary in mehreren Darstellungen untermauerte These geliefert, dass das Sehen und seine Wirkungen nicht zu trennen seien „von den Möglichkeiten eines betrachtenden Subjekts, das zugleich das historische Produkt und der Schauplatz bestimmter Praktiken, Techniken, Institutionen und Verfahren der Subjektivierung ist“1. Diese innige Verquickung hat Janet Cardiff aktiviert, als sie anlässlich der „Skulptur. Projekte in Münster 1997“ im Westfälischen Landesmuseum ein Teleskop aufstellte, das auf den Marktplatz vor dem Museum gerichtet und so präpariert war, dass der Benutzer annehmen musste, die Szenen, die er durch das Fernrohr beobachten konnte, gäben die aktuelle Realität wieder. Tatsächlich erlag er einer raffiniert ausgeklügelten, bis in das letzte motorische Detail durchgeplanten Simulation: Was er sah, war ein Video. Die Vorrichtung ergänzte eine Audio-Tour („Walk Münster“, 1997), wie sie Cardiff später etwa auch für die XXIV Biennal de São Paulo (1998) oder für die New Yorker Ausstellung „The Museum as Muse: Artists Reflect“ (1999) erarbeitete. Für die Biennale di Venezia hat sie zusammen mit George Bures Miller die rein akustische Sphäre ihrer Projekte mit der räumlichen Inszenierung kombiniert: „The Paradise Institute“ ist eine roh gezimmerte Holzkonstruktion, die sich in ihrem Innern als Großkino im Liliputformat entpuppt.

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