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Ausstellungen: Köln · von Frank Frangenberg · S. 407 - 407
Ausstellungen: Köln , 1999

Frank Frangenberg
Thomas Eggerer

Galerie Daniel Buchholz, Köln, 9.7. – 28.8.1999

Regel Nummer 50 in Balthasar Gracians „Handorakel“ beginnt: „Nie setze man die Achtung gegen sich selbst aus den Augen noch mache man sich mit sich selbst gemein.“ Das jesuitische Dogma einer strategischen Lebensführung betont die Differenz, die ich zu mir selbst einnehmen muss. Sein Leben, seine Arbeit strategisch anzugehen heißt, in einer heroischen Tradition zu stehen: Ein Leben in der Distanz zu sich selbst. Aber nur in dieser Distanz scheint es möglich, sich selbst auch noch überraschen zu können. Thomas Eggerer spricht von der Möglichkeit sich gegen sich zu stellen, damit man nicht produzierend in Routine verfalle. Der 1963 geborene Künstler löst dies in seiner Malerei ein: in einer Haltung zur Malerei, die sich jeden Moment ihrer Vorgehensweise reflektierend, auch gegen das Medium selbst richten könnte. Eine strategische Haltung, die versucht sich selbst zu überraschen, indem sie die jeweilige konkrete Entscheidung im Malprozess auf das hin überprüft, was sie ausscheidet. Das Problem einer solchen analytischen Herangehensweise an die Malerei ist üblicherweise eine den Betrachter überfordernde Komplexität. Bestimmte Entscheidungen lassen sich in diesem subtilen Spiel für einen Laien nicht mehr nachvollziehbar gestalten. Bis man naiverweise vor der Frage steht, weshalb es jemand auf sich nimmt, Bilder zu malen, denen auf den flüchtigen Blick hin jedwedes visuelle Verführungspotential gestrichen wurde? Es ist nicht so, aber Thomas Eggerer hält offensichtlich nichts davon uns den Erkenntnisgewinn leichter als notwendig zu machen. Was seine aktuelle Ausstellung bei Daniel Buchholz für mich so spannend gemacht hat, war…


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von Frank Frangenberg

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