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Ausstellungen: München · S. 280 - 281
Ausstellungen: München , 1988

Heinz Schütz
Ulrich Görlich

Kunstraum, 13.1.-5.3.1988

Eine sprachliche Konvention definiert Bilder, die mit Hilfe eines Fotoapparates erzeugt werden, als Fotografien. Diese Feststellung klingt trivial. Sie ist erwähnenswert, da Ulrich Görlich seine „Landschaften“ (1978-80) und „Selbstportrait“ (1980) nicht Fotografien, sondern „Silberbromprints“ nennt. Er rückt damit terminologisch in die Nähe traditioneller graphischer Vorfahren. Angesichts eines immer noch existierenden Mißtrauens gegen den Kunstanspruch der Fotografie mag dies verständlich erscheinen – selbst ein internationales Fotosymposium befaßte sich vor einigen Jahren noch mit der Frage „Ist Fotografie Kunst?“ – Nichtsdestotrotz leben frühere Arbeiten geradezu von den spezifischen Möglichkeiten der Fotografie, deren Gattungsgrenzen – insofern sich davon sprechen läßt – Görlich dann in neueren Installationen sprengt.

Dort, wo das menschliche Auge fokussierend Vorder- und Hintergrund schiede, vergegenwärtigt das Kameraauge in den „Landschaften“ Nähe und Feme gleichermaßen in brillanter Schärfe: Das Astgitter des Waldes und die Feinstruktur des Bodens koinzidieren in ihrer strukturalen Gegenwärtigkeit In einer „Landschaft“, wo durch die Verwendung des Teleobjektivs die Bäume des Hintergrunds zu einem Nebel aus Grauwerten verschmelzen, entfaltet sich ein chaotisches Übereinander von Ästen zu einer menschliche Optik übersteigenden, fast haptisch zu nennenden Präsenz. In den „Selbstportraits“ tritt gerade jener, dem fotografischen Apparat eigentümliche, kühl registrierende Blick zutage, wenn Görlich seinen Körper verdinglicht und in experimentierender Pose an einer Brustwarze zupft oder seine Lippe nach oben stülpt.

In den „Farbprints“ der letzten Jahre wird Görlich das massenhaft reproduzierte Bild Thema – er rührt damit an Stoffen der Pop-art. „Zusatzzahl“ etwa zeigt das Fernsehbild der Lotterietrommel, das in permanenter Wiederholung Woche für Woche Tausenden zur Glücksikone…


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