Ausstellungen: Darmstadt · von Christian Huther · S. 373 - 373
Ausstellungen: Darmstadt , 1999

Christian Huther

Vera Röhm

»Schattenwanderungen«

Institut Mathildenhöhe, Darmstadt, 13.12.1998 – 31.1.1999

Die Dramaturgie von Licht und Schatten ist perfekt inszeniert. Doch erst der Betrachter vervollständigt das Kunstwerk, zumal damit der menschliche Körper ins Spiel kommt. 14 weiße Kuben fangen das künstliche Licht auf und werfen entsprechend ihre Schatten – mit Kanten, Stufen, Abtreppungen oder Einschnitten. Folglich nennt Vera Röhm ihr Werk im Darmstädter Institut Mathildenhöhe auch „Schattenlabyrinth“. Denn beim Umherschreiten entdeckt man ständig neue Formen. Dazwischen taucht auch der eigene Körper auf – und das Spiel hört nie auf.

Dieser letzte von vier Räumen auf der Mathildenhöhe ist wohl der sinnfälligste Beweis dafür, was die 55jährige Vera Röhm umtreibt: Sie will den Faktor Zeit darstellen, greift dazu auf Licht, Lichtbewegung, Schatten und Schattenwanderung sowie auf andere Phänomene in Natur und Kosmos zurück. „Schattenwanderungen“ nennt sie auch ihre Ausstellung, die sie einrichtete für die Verleihung des renommierten Wilhelm-Loth-Preises der Stadt Darmstadt 1997. Dabei entschied sie sich gegen eine Retrospektive und für eine Präsentation neuer Arbeiten.

Röhm bewegt sich zwischen Naturwissenschaft und formal spröder Kunst. Entsprechend leuchten ihre Werke nicht immer gleich ein wie beim „Schattenlabyrinth“ und sind erklärungsbedürftig. Im ersten Raum namens „Himmelssphären“ geht es um ein relativ neues Betätigungsfeld Röhms, die Astronomie. Bei der Beschäftigung mit Zeit, Licht und Schatten stieß sie auch auf die Himmelsmechanik. Denn unsere Wahrnehmung von Zeit wird ja geprägt von der Rotation der Erde im Gefüge des Weltalls. Ein sieben Meter langer, schräg aus einer rostigen Eisenplatte aufragender Edelstahlstab deutet mit seiner Spitze in Richtung Polaris. Bezugspunkt am anderen Ende ist…

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