Ausstellungen: Köln , 1999

Martin Seidel

»Video Virtuale Foto Fictionale«

Museum Ludwig, Köln, 11.8. – 26.9.1999

Real“, „fiktional“, „analog“, „digital“, „virtuell“ und „Schnittstelle“: es ist kaum zu glauben, welche Theorien und Diskurse sich auf diese schmale Wort-Palette gründen. Auch die Ausstellungsaktivitäten schwören sich darauf ein. Das Haus der Geschichte in Bonn zeigte kürzlich „Bilder, die lügen“, die Hamburger Deichtorhallen kümmern sich derzeit in der „multi mind“-Schau um digitale Fotografie. Es wimmelt nur so von Fotografen – von Jeff Wall bis hin zu den allgegenwärtigen Gurskys oder Sieverdings -, die den berühmten „unbestechlichen“ sachlichen Blick der Becher-Schule verabschieden und den Computer benutzen, um die Wirklichkeit ihren Bildvorstellungen gefügig zu machen, um sie zu korrigieren oder auch zu ersetzen.

Auch Köln – getrieben vom Ehrgeiz, sich als „Medienkunststadt“ zu etablieren – gönnt sich nun eine ausdrückliche Virtualitäten- und Fiktionalitäten-Veranstaltung. Die Video-/Fotoabteilung des Museum Ludwig wagt unter dem alliterierend wohlklingenden Titel „Video Virtuale Foto Fictionale“ eine ziemlich bunte Zusammenschau von Fotos, Videos und Medieninstallation, die aus verschiedenen Zeiten stammen und mit allerhand Sujets und Themen daherkommen.

Der Ausstellungs-Impuls beruht – so Reinhold Mißelbeck und Ulrike Lehmann vom Museum Ludwig – auf dem Gedanken der Manipulation der Wirklichkeit, die dank Computerisierung und Digitalisierung in den Foto- und Videokünsten ständig fortschreitet. Gegen die verbreitete Meinung, dass Fotografie die Dinge authentisch zur Abbildung bringt, wollen die Kuratoren angehen und holen mit Exponaten vor allem aus den Beständen der hauseigenen Foto-Sammlung Gruber zum Gegenschlag aus. Der Rundblick, mit dem man dem Thema auf den Grund gehen will, beginnt bei Herbert Bayer (1900-1985), Philippe Halsmann (1906-1985) und…

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von Martin Seidel

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