Ausstellungen: Wuppertal / Duisburg · von Amine Haase · S. 268
Ausstellungen: Wuppertal / Duisburg , 2004

AMINE HAASE

Vom Glück eines ereignislosen Lebens

Giorgio Morandi – Natura Morta 1914-1964

Von der Heydt-Museum, Wuppertal, 11.1. – 7.3.2004

Medardo Rosso

Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg, 14.12.2003 – 28.3.2004

Giorgio Morandi und Medardo Rosso – ein Maler, der dessen Bilder wie Skulpturen im Raum erscheinen, und ein Bildhauer, dessen Skulpturen wie Bilder konzipiert sind. Beide umkreisen ihre künstlerischen Themen mit schier unerschöpflicher Geduld und konzentrieren ihre Recherchen auf wenige Sujets. Für Rosso (1858-1928) ist das Experimentierfeld durch den Menschen vorgegeben, Köpfe, Büsten, ganze Figuren. Die Welt von Morandi (1890-1964) ist vor allem die der Dinge, die er mehr und mehr auf Gefäße reduziert. Langweilig, beschränkt, ereignislos? Keineswegs, wie die von Tomas Sharman im Wuppertaler Von der Heydt-Museum präsentierten Stilleben Morandis aus fünfzig Schaffensjahren zeigt und ebenso die vom Kunstmuseum Winterthur (Dieter Schwarz) und dem Duisburger Wilhelm Lehmbruck Museum (Gottlieb Leinz) organisierte Ausstellung von fast fünfzig Skulpturen plus Zeichnungen und Photographien von Medardo Rosso. Ereignislos vielleicht – obwohl, oder vielmehr gerade weil die Auswahl und der Umfang der Werke beider Ausstellungen geradezu sensationell ist. Ereignislos im Sinne Morandis, von dem die erstaunliche Bemerkung überliefert ist: „Ich hatte das große Glück, ein ganz ereignisloses Leben zu führen.“ Das scheinbare Paradox löst sich in der Schönheit seiner Bilder auf. Und das trifft auch auf die Skulpturen Rossos zu.

Rein äußerlich scheint das Leben des italienischen Bildhauers, der in Turin und Mailand aufwuchs, in Paris künstlerisch groß wurde (und die französische Staatsbürgerschaft annahm) allerdings ein wenig ereignisreicher gewesen zu sein als das Morandis, der seinen Geburtsort Bologna so gut wie…

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