Kunstforum-Gespräche , 2008

Wir wollen die Gegenwart verstehen.

Christian Boros sprach mit Helga Meister über seine Sammlung im Bunker, Berlin-Mitte

Christian Boros, dieser coole Werbemensch aus Wuppertal, sagte zur Eröffnung seines umgebauten Hochbunkers in Berlin-Mitte fast etwas kleinlaut: „Was habe ich mir da aufgehalst!“ 2003 hatte er die Beton-Immobilie gekauft, war fast jede Woche mit dem Architekten Jens Casper durch die niedrigen Gelasse gerobbt, hatte sich durch Fluchtwege gezwängt und die Szene mit der Taschenlampe ausgeleuchtet. Nun erstrahlt das einstige Denkmal des Krieges von innen im neuen Glanz. Die hundert Werke, ein Fünftel seiner Sammlung, bestehen aus Skulpturen und Installationen. Für ihren glanzvollen Auftritt wurden unzählige Wände herausgebrochen.

Ab Juni dürfen Besucher nach Voranmeldung kommen. Sie dürfen aber nicht allein durch 80 Räume irren, sondern werden geführt. Sie sollen sich Zeit nehmen, sollen reden, essen und trinken können. Begrüßt werden sie von einer großen, alten Bronzeglocke, deren 1200 Kilogramm Gewicht erst in letzter Minute am Stahlträger hochgezogen wurde. „Die Decken werden nicht krachen“, beschwichtigt Boros mit sarkastischer Miene. „Die Mauern halten. Hier ist alles für den Endsieg gebaut, der zum Glück nie eingetreten ist.“ Die Glocke schlägt dem Eintretenden wie das mahnende Gewissen entgegen, die alten Nazi-Zeiten nicht wiederkehren zu lassen.

Helga Meister Zwei Jahre haben Sie gesucht, dann hat Ihre Frau Sie gekniffen, als Sie am Bunker in der Reinhardtstraße in Berlin-Mitte vorbeigefahren sind. Wieso haben Sie sich für diese Immobilie entschieden?

Christian Boros Es war Liebe auf den ersten Blick, wie bei allen großen Dingen. Es war freilich auch ein Haufen Arbeit, das zu realisieren. Aber…

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von Helga Meister

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