Titel: Künstler als Kuratoren: 9. Berlin Biennale · von Heinz-Norbert Jocks · S. 266
Titel: Künstler als Kuratoren: 9. Berlin Biennale , 2016

Wu Tsang

So queer wie out of fashion

Wu Tsang, 1982 geboren, ist eine US-amerikanische Künstlerin, Performerin und Filmemacherin. Ihr multimedial ausgerichtetes Werk greift auf Erzählformen zurück, die sich den Fragen der Identitätskonstruktion widmen. Wu, interessiert vor allem an den soziopolitischen Dimensionen von Communities, lässt sich künstlerisch durch ihr Engagement in der Queer- und Transgender-Szene sowie dem Einwanderer-Milieu von Los Angeles inspirieren. Für Wu ist der „Underground“ ein einmaliger Ort des kulturellen Widerstands und die Fantasie ausschlaggebend bei der gegengängigen Repräsentation sozialer Bewegungen. So dokumentiert ihr mehrfach preisgekrönter Film „Wildness“ (2012) ein legendäres Partylokal, den Treffpunkt für die lateinamerikanische Trans-Community. Mit seinem magischen Realismus, vermischt mit persönlichen Erzählungen, stellt der Film neben dokumentarischen Strategien auch gesellschaftliche Verhältnisse zur Diskussion. Anlässlich der Berlin Biennale zeigt sie ihren jüngsten Film „Duilian“.

Heinz-Norbert Jocks: Was ist das für eine Art von Film, der, Gestriges ebenso wie Heutiges anklingen lassend, Zeitepochen und Genres verschränkt.

WU TSANG: Für meinen experimentellen Film „Duilian“ habe ich mich von der chinesischen revolutionären Dichterin Qiu Jin, die von 1875 bis 1907 lebte, inspirieren lassen, insbesondere von ihrer Beziehung zu der Kalligrafin Wu Zhiying, die, 1868 geboren, 1934 starb.

Dabei wurde Qiu Jin während der Qing-Dynastie als Verräterin hingerichtet, mal als nationale Märtyrerin, ein anderes Mal als kommunistische Heldin und auch Ja, so war es. Ihr Körper, der Chinas Ideal der Demokratie symbolisiert, lässt sich als besonderes Spiegelbild des turbulenten Jahrhunderts betrachten. Das Script, beruhend auf alles von ihr Geschriebene und Gedichtete, eine Art von Liebesgeschichte, handelt von Leidenschaft jenseits der Sprache,…

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von Heinz-Norbert Jocks

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