Titel: Im Netz der Systeme · S. 196
Titel: Im Netz der Systeme , 1989

Renny Pritikin

Alan Rath

Künstler sind schon seit jener Zeit ihre Illusionen über die Technik als Allheilmittel für die Krankheiten der Welt losgeworden, als die utopischen Theorien der italienischen Futuristen mit dem Schrecken kollidierten, den die Wissenschaft im Ersten Weltkrieg losließ. Und dennoch blieben die Künstler vom Neuen fasziniert, das die zeitgenössische Wissenschaft liefert. Alan Rath ist ein Künstler, der nicht nur Microcomputertechnologie in sein Werk einbezieht, sondern in seinem (selbstfinanzierten) Studio allein an den höchstentwickelten und innovativen Grenzen dieses Feldes arbeitet, wie etwa auch der Komponist Paul DeMarinis (oder erst kürzlich die Computerisierung von Mark Paulines Maschinerie). Er hat Methoden entwickelt, bis zu acht Bilder digital zu speichern – kein Band, kein TV – und auf die in seinen Skulpturen verwendeten Monitore abzurufen. Und dennoch ist Rath einer der wenigen Künstler auf diesem Gebiet, die verstehen, daß die erzielbaren spektakulären Effekte allein nicht genug sind, daß man sich auch mit den zeitgenössischen ästhetischen Grundsatzfragen auseinandersetzen muß, wenn man mehr als nur eine oberflächliche Attraktion erreichen will.

Raths neun Arbeiten in „Systems for Neo-Pagans“ verwenden Satire, um den Druck aufzuzeigen, der auf den Werten in den postmodernen kulturellen Bedingungen lastet. Rath zeigt die Liebe des Insiders zur neuen Technologie, in Kombination mit einer ausgefeilten Abneigung für utopische Ansprüche, die sich immer auf die Manipulation von Konsumenten reduzieren. In einem der Schlüsselstücke der Ausstellung. in „Something 4 Nothing“1 arbeitet der Künstler auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Er impliziert, daß die Fernsehwerbung auf den Verkaufspunkt des Titels hin ausgerichtet ist , aber so ist ja auch…

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