Titel: Im Netz der Systeme · S. 265
Titel: Im Netz der Systeme , 1989

Warren Burt

Fünf Absätze über Kommunikation/Interaktion

1.

Seit 1968 mache ich Werke der Klang-, Film-, Video-, Tanz- und Installationskunst, die ihren Schwerpunkt auf der Idee der Interaktivität haben. Dies wurde auf unterschiedliche Weise und in vielen verschiedenen Kontexten durchgeführt. Auf dem Sensus Technological Playground – dem Spielplatz der Technologie an der Expo ’88 in Brisbane, Australien, hat diese Interaktivität die größte Publizität gefunden. Es wurde das 3DIS-System von Simon Veitch, ein hochentwickeltes Computervisions- und MIDI-Steuerungssystem, verwendet. Ein IBM-Computer analysierte den Input von vier Videokameras und registrierte so die An- oder Abwesenheit von Publikum an verschiedenen Orten. Eine große Zahl verschiedener Interaktionsprojekte, die alle einfach, direkt und vergnüglich waren, waren aufgestellt worden. Wenn man zum Beispiel in einen leeren Fensterrahmen die Hand streckte, ertönte das Klirren zerbrechenden Glases. Oder wenn man sich über ein Tempelhüpffeld bewegte, erklangen Vogelrufe und Baulärm. Der Gesamtklang war sehr dicht – eine überaus aktive Collage. Und die meisten der etwa 8 000 000 Besucher drückten ihre Begeisterung aus. Der Öffentlichkeit zugängliche interaktive Klangskulpturen sind zweifellos eine beliebte Kunstform.

2.

Bei meiner Arbeit mit elektronischer Musik verwende ich auch interaktive Prozesse. Hier ist die Interaktivität jedoch eine private, Realzeit algorithmische Prozesse liefern musikalische Informationen. Beim Anhören dieser Musik verändere ich sie, forme sie und arbeite sozusagen mit einem anderen improvisierenden Performer zusammen. Für diese Arbeit schreibe ich manchmal meine eigenen Programme oder verwende andere Programme, wie Intelligent Musics „M“ oder Twelve Tone Systems „Sound Globs“. Bei „Justice, Equality and Beatings V (Bruckner-Hommage)“, das ich für Ars Electronica gemacht habe, spielt eine Hand…

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