Titel: Im Netz der Systeme · S. 210
Titel: Im Netz der Systeme , 1989

Myron W. Krueger

Videoplace – eine Künstliche Realität

Das Konzept zu VIDEOPLACE entstand 1970. Seit dem Beginn war VIDEOPLACE als neues Kunstmedium ebenso wie als Telekommunikations-Environment konzipiert. Innerhalb dieses Mediums kann eine unendliche Anzahl von Interaktionen komponiert werden. Diese Interaktionen können von Leuten geteilt werden, die in verschiedenen Zimmern im selben Haus sitzen, ebenso wie von solchen, die tausende Meilen auseinander sind.

In VIDEOPLACE nimmt der Computer ein bewegtes Bild auf, analysiert es, versteht, was er sieht, und antwortet sofort mit Graphiken, Videoeffekten und synthetischen Klängen. Die individuelle Bewegung bestimmt die Erfahrung des Teilnehmers.

VIDEOPLACE stellt einen ersten Schritt in eine Künstliche Realität dar. Künstliche Realität geht weit über Simulation hinaus. Simulation ist der Versuch, physische Realität nachzubilden. Der Mitwirkende sitzt normalerweise in einer Umgebung und interagiert mit einem oder mehreren kleinen Displays über handbediente Steuergeräte. In einer Künstlichen Realität wird man in die Erfahrung eingetaucht. Interaktionen werden durch physische Bewegung kontrolliert. Man braucht nichts zu halten, man steht frei, kann herumgehen und den gesamten Körper benutzen – wie im wirklichen Leben. In der Künstlichen Realität können allerdings – im Gegensatz zum wirklichen Leben – physikalische Gesetze durchbrochen und den Bedürfnissen angepaßt werden.

Eine Zweiwegmöglichkeit wurde zwischen VIDEOPLACE und einer VIDEODESK-Installation eingebaut. Am VIDEODESK filmt eine Überkopf-Kamera Information über die Position und Gestik von Händen und Fingern ins Computersystem. Eine oder mehrere Personen im VIDEOPLACE-Environment interagieren miteinander und mit der Person am VIDEODESK. Auf den Bildschirmen erscheint ein kombiniertes Bild vom VIDEOPLACE-Environment und vom VIDEODESK. Die folgenden Interaktionen sind das Standardrepertoire in der gegenwärtigen Konfiguration.
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