Gespräche mit Künstlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 254
Gespräche mit Künstlern , 1997

Georg Baselitz:

»Alles Falsche auf einem Bild macht es richtig«

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

Georg Baselitz, in der DDR aufgewachsen, ist im Westen als unbequemer Künstler groß geworden. Seine Bejaher sprachen von ihm als dem „Tabubrecher“, konzedierten seinen Skulpturen, sie seien „direkt, brutal und von barbarischer Kraft“. Er, der 1938 im sächsischen Deutschbaselitz als Hans Georg Kern zur Welt kam, wurde 1957 von den DDR-Behörden wegen „gesellschaftspolitischer Unreife“ der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Ost-Berlin verwiesen. Er setzte das Studium im Westen der Stadt bei Hann Trier an der Hochschule für bildende Künste fort und verließ 1966 Berlin ganz. Er ist ein Maler, der gegen andere Malerei aufbegehrt, um im Dazwischen eine eigene Position zu erobern. Ein Berserker, der sich die „Methode der unmittelbaren Aggression“ zunutze macht und wütet und nichtet und unter dem Zwang steht, nach hinten zu schauen, um von dort her die Welt zu sehen. Er, Melancholiker von Geburt, versteht sich als ein erdverbundener Archäologe, dem sich der Reichtum verlorener Zeit vergegenwärtigt. Mit ihm sprach in Derneburg Heinz-Norbert Jocks.

*

H.-N. J.: Warum zogen Sie nach Derneburg?

G. B.: Aus dem Osten kam ich 1957 nach Westberlin. Diese Insel, die von vielen Hoffnungen lebte, war für mich der Inbegriff des Westens, bis ich merkte, daß das durchaus noch der Osten war. Alle sprachen in Berlin davon, daß alles besser wird. Man kann ja in solch einer Lage auch nichts anderes tun. Nun ließ es sich in Berlin zwar ganz angenehm leben, aber ohne dort wirklich etwas erreichen zu können. Es…

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