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Ausstellungen: Graz · S. 314 - 315
Ausstellungen: Graz , 1988

Gabi Czöppan

Angelika Bader
Dietmar Tanterl

Das Gesetz der guten Gestalt
Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, 19.2.-10.3.1988

Allein der Titel der Grazer Ausstellung verheißt Mehrdeutigkeit: „Das Gesetz der guten Gestalt“ stammt aus der Gestaltpsychologie und dient u. a. Künstlern wie M. C. Escher für doppeldeutige Figur-Grund-Raster. Auf den Fotoarbeiten von Angelika Bader und Dietmar Tanterl verfangt sich der sich stets unter den gleichen Bedingungen wiederholende, wesentliche Zusammenhang zwischen Ding und Erscheinung in einem Netz von ineinander verwobenen bildlichen Systemen.

Die beiden Münchner Künstler kombinieren großformatige Cibachrome-Folien in massiven Eichenrahmen zu komplexen Bild-Arrangements, in denen sich verschiedene Form- und Bildebenen überlappen. In den Fotoarbeiten finden sich Details aus Kunst- und Zeitgeschichte, Alltags- und Medienkultur, in denen einerseits das Kunstwerk selbst reflektiert wird, andererseits der ästhetische Reiz seiner Formen als verführerisches Instrument des schönen Scheins eingesetzt wird.

Drei existentielle Bereiche, angesprochen in den Schrift-Bildern

es lebe das Leben
es lebe der Tod und
es lebe die Kunst

durchziehen motivisch die gesamte Ausstellung. Alle Arbeiten lassen sich mehr oder weniger einem oder mehreren dieser Begriffe zuordnen. Die geschlossenste Arbeit bildet aber eindeutig das Triptychon „Es lebe der Tod“.

Formal an einen Flügelaltar erinnernd, ist das Schrift-Bild in der Mitte links und rechts von zwei Bildern des Todes flankiert, deren Bildausschnitte sich verblüffend ähneln. Links der tote Marat, von einer Intrigantin in der Badewanne erstochen, aus Jacques Louis Davids Gemälde von 1793, rechts der tote Uwe Barschel aus einem in einer Zeitschrift veröffentlichten Foto. Eingebettet in ein strenges formales Konzept und konfrontiert mit dem Bild des toten Revolutionärs verliert das Reportage-Foto…

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