Titel: Atlas der Künstlerreisen · von Paolo Bianchi · S. 109
Titel: Atlas der Künstlerreisen , 1997

Benni Efrat

Ararat Express

Die Migration ist ein wiederkehrendes Thema in seinem Schaffen, wobei der in Belgien lebende israelische Künstler Benni Efrat darunter eine Form des Reisens wie auch eine Struktur der Freiheit versteht. In seiner Performance „Ararat Express“ (Lyon 1986) benutzte Efrat eine Karawane von Pferden (ursprünglich waren Esel geplant) mit je zwei TV-Monitoren auf dem Rücken, um damit sowohl menschliche als auch tierische Ortswechsel darzustellen, aber auch die Bewegung natürlicher Phänomene wie Wolken und Wellen. Es ging ihm um die rhythmische Vermischung von endloser Naturmutation mit Massenmigration, von Klimaflucht mit dem Gang ins Unbekannte.

Die Video-Performance/Installation „Ararat Express“ setzte Freiheit als Bewegung und Bewegung als Form von Freiheit in eine lebendige Szenerie um. Sie zeigte aber auch den zu entrichtenden Preis: das Exil, das Leiden und die Schwierigkeit, am eigenen kulturellen Erbe festhalten zu können, das dem Individuum wie dem Land seine Wurzeln verschafft.

Als das Volk der Juden Ägypten verließ und seinen Exodus begann, befreite es sich selbst und erhielt die Thora (die Erzählungen und Gesetze enthaltenden fünf Bücher Moses). „Ein Volk wurde geboren“, schreibt Henri Atlan in seinem Essay über die Organisation des Lebendigen (Pais 1979), „nicht durch die gewaltsame Anpassung und Respektierung der Grenzen eines bestimmten Territoriums, sondern durch die Erfahrung des Umherwanderns und der Pilgerschaft außerhalb solcher Begrenzungen – eine vierzigjährige kollektive ‚Reise‘, die dem Bild dieses Volkes von sich selbst seine letzten Konturen verschafft. Zwar wird auf der Erde gelebt und nicht im Himmel, da sich die Wüste schließlich auf Erden befindet, aber dies geschieht als Reisen…

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von Paolo Bianchi

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