Titel: Atlas der Künstlerreisen · von Gerhard Finckh · S. 70
Titel: Atlas der Künstlerreisen , 1997

Ulrike Arnold

Landtemperamente

ULRIKE ARNOLD (*1950 in Düsseldorf, lebt in Wuppertal): Seit Jahren bereist Ulrike Arnold die Welt, um auf allen Kontinenten und an den ungewöhnlichsten Orten zu arbeiten. Ihr Arbeitsmaterial sind die Steine und Erden, die sie dort vorfindet, ihre Bildträger sind die Felsen an Ort und Stelle ebenso wie mitgebrachte große Leinwände, ihre Bindemittel sind Öle, Wachs und Harze. Ergebnis des künstlerischen Prozesses sind nicht neue Primitivismen, Exotismen oder Archaismen, ihre Bildfindungen sind vielmehr zeitgenössisch, entsprechend ihrer Lebenszeit und -wirklichkeit. Ihre als Land-art zu bezeichnenden Arbeiten begegnen und antworten auf Felszeichnungen aus vorgeschichtlicher Zeit, „informelle“ Gestaltungsansätze reflektieren kosmogenetisch bedingte Strukturen.

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Ulrike Arnolds Kunst ist abbildend, aber nicht in einem mimetischen Sinn. Die Künstlerin gibt in ihren Bildern nicht die sichtbare Umgebung wieder, sondern sie schildert mit den Farben einer bestimmten Landschaft, den an diesem Ort ergrabenen Erden und Steinen, ihre persönliche Befindlichkeit, ihre Wahrnehmung eben dieses Platzes, ihr Verhältnis zu dieser Stelle im Universum. Ihre Bilder lassen sich damit einerseits als ortsgebundene „Psychogramme“ einer Künstlerin lesen, andererseits sind sie aufgrund des verwendeten Malmaterials (und, wenn es sich ergibt, auch der Formation der steinernen Bildträger wegen) abstrakte, aber keineswegs willkürliche „Porträts“ von Landschaften, Orten, magischen Plätzen.

Aufgrund des authentischen Materials sind die „Porträts“ dieser Plätze unverwechselbar wie Fingerabdrücke, nur, daß hier Abdruck und Medium in einem reziproken Verhältnis zu kriminalistisch verwertbaren Fingerabdrücken stehen: Für den Fingerabdruck ist das „Malmittel“ eher nebensächlich, die Hautstruktur des Fingers maßgeblich; in Ulrike Arnolds – mit Pinseln, Händen und Fingern gemalten – „Landschaftsporträts“ ist das Malmaterial das bildprägende,…

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von Gerhard Finckh

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