Titel: Atlas der Künstlerreisen · von Paolo Bianchi · S. 138
Titel: Atlas der Künstlerreisen , 1997

Rainer Ganahl

Please, teach me …

RAINER GANAHL (*1961 in Bludenz, Österreich; lebt in New York): Das Phänomen des Reisens bildet in der Arbeit von Rainer Ganahl, der Fremdsprachenlernen als Kunstpraxis betreibt, einen zentralen Punkt. Es handelt sich jedoch weniger um ein Reisen als Praxis, als vielmehr um das Reisen als Konzept, als Ideologie, als Erfahrungs- und Interaktionshorizont sowie, wie Ganahl schreibt, um das Reisen „als Repräsentationsproblem mit einer alten Geschichte“.

„Zumeist lerne ich selber, mit Lernhilfen und mit ins Land gereisten Besuchern oder Immigranten. Das Reisen ist wie das Sprechen, Hören und Lesen ein Ziel, das sich dieser Praxis einschreibt. Dennoch achte ich in all meinen Repräsentationsspielen, daß es nicht den Anderen repräsentiert, sondern nur mich als Lernenden in Antizipation auf eine Reise oder auf einer Reise.“ Der Künstler führt diese Art der Repräsentation ad absurdum, indem er alles mit über hundert Stunden langen Videobändern dokumentiert. Perfektion strebt er übrigens nicht an, beim Sprachenlernen handelt es sich immer um ein basic japanese, basic russian, basic modern greek oder basic korean.

Ganahl wählt seine Sprachen sehr bewußt aus: Japanisch, Koreanisch, Russisch und Neugriechisch. „Ich versuche, an eine Geschichte zu erinnern, in der das Studieren Hand in Hang ging mit dem Kolonisieren und Vereinnahmen der so konstruierten Anderen.“ Er ist sich der Vorurteile gegenüber Fremdsprachen bewußt, so wird etwa Albanisch schwieriger eingestuft als Spanisch, asiatische sowie die Sprachen des Nahen Ostens werden als nahezu unlernbar betrachtet. „Rassismus und Unverständnis“, sagt Ganahl, „überlagern sich mit den exotischen Betrachtungsweisen, die man allen außereuropäischen Sprachen entgegenbringt. Der…

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