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Titel: Atlas der Künstlerreisen · von Hanno Loewy · S. 196 - 201
Titel: Atlas der Künstlerreisen , 1997

Mikael Levin
Jüdische Spurensuche

MIKAEL LEVIN (*1954 in New York, aufgewachsen in Israel, hat in Frankreich und Schweden gelebt; seit 1980 lebt er in New York): Die Themen der fotografischen Projekte von Mikael Levin sind wie Knoten im Raum-Zeit-Kontinuum, die sich einer linearen, einer perspektivischen Anschauung entziehen, etwa Seelandschaften in Schweden, das Tote Meer, französische Agrarlandschaften oder Grenzen in Europa. Als Landschaftsfotograf porträtiert Mikael Levin nicht nur Räume und Topographien, sondern auch Menschen, die sich ins Abseits oder in Zwischenräume, in diese unsichtbaren Labyrinthe verirren, Asylsuchende etwa, die sich in Transiträumen verfangen, denen der Schritt von einem Raum zum anderen nicht wirklich gelingt. Die hier gezeigten Fotos folgen der Chronologie einer Reise von Levins Vater, der als Kriegsberichterstatter durch Europa reiste, um in den Jahren 1944-1945 nach den Spuren der jüdischen Gemeinden zu suchen. Levins Fotografien zeigen die von seinem Vater beschriebenen Plätze in heutiger Gestalt.

Die Fotoarbeit “Suche” (englischer Titel: “War Story”) ist eine dreifache Reise, bei der die Zeiten sich überlagern. 1944 hat sie begonnen, in einem Jeep, der von Paris nach Prag fuhr, durch die Ardennen, über Köln, Frankfurt, Gotha/Ohrdruf, Weimar/Buchenwald, Leipzig, München/Dachau, Innsbruck und Prag nach Theresienstadt. Im Jeep saßen Eric Schwab, AFP-Fotograf, der seine Mutter in Theresienstadt fand, und der amerikanische Schriftsteller und Journalist Meyer Levin, dessen Identitätserschütterungen sich schon in seinem Vornamen spiegelten. Zu Mike amerikanisierte er ihn im Januar 1945, zu Meyer wurde er wieder, nachdem er die Lager gesehen hatte. 1995, etwa so alt wie damals sein Vater, reiste der Landschaftsfotograf Mikael Levin…


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