Gespräche mit Künstlern , 2002

ECKE BONK

AUF DER INDIVIDUELLEN EBENE GIBT ES NUR MIKROBEWERTUNGEN

EIN GESPRÄCH MIT VITUS H. WEH

Medien haben Indikatorfunktionen. Es gab Zeiten, da war beispielsweise Videoskulptur und Bildhauerei aktuell. Heute sind es Bereiche wie das lange kaum beachtete „Grafik Design“. Die kräftigsten Wurzeln dieses Interesses finden sich einerseits in den uniformierenden CI-Entwicklungen der späten Sechzigerjahre, die Zeichensysteme zur Identitätsstiftung instrumentalisierten, andererseits im Zeichen-Schleudergang von Dada, Lettrismus und Punk. Ähnlich polar standen sich in den Neunzigerjahren dann der Layoutrausch der Dekonstruktivisten und das Dandytum der Typografie-Historisten gegenüber. Irgendwo dazwischen siedelt Ecke Bonk. Er nennt sich nicht einfach Typograf, sondern „Typosoph“. Seine Arbeiten kreisen um Linguistik und prozessuale Schriftgestaltung, die Grundlagen der Naturwissenschaften und Visualisierungen im öffentlichen Raum. Exemplarisch für Ecke Bonks Spannweite ist, dass er nicht nur das Logo der nächsten Documenta entwarf, sondern in Kassel auch als ausstellender Künstler präsent sein wird. Mit dem Verknüpfer von „Eindruck“ und „Weisheit“ („Typo-Soph“) sprach in Karlsruhe Vitus Weh.

Vitus Weh: In den letzten Jahren wurde von Theoretikern immer wieder die Auflösung der herkömmlichen, konsistenten Subjekt-Vorstellungen gefordert, resp. konstatiert. Wenn ich mir Ihre Biografie durchlese, habe ich den Eindruck, dass Sie diese Theorie bereits leben: Ihr Geburtsort schwankt zwischen Fontainbleau, Verona, Dublin und Oslo; ähnlich erstaunlich sind Angaben wie Ihr Studium der Gartenarchitektur in Lausanne, Ihre Zusammenarbeit mit der NASA als Berater für typografische Fragen der Spaceshuttle-Mission oder Ihre Dozentur für Stereoskopie 1989 an der Militärakademie von Lhasa.

Ecke Bonk: Mein Spiel mit Fakten und Fiktionen – dieser CV-Datenzauber, auf den Sie anspielen – hat natürlich auch mit Ironie…

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