Gespräche mit Künstlern · von Sven Drühl · S. 332
Gespräche mit Künstlern , 2002

CARO SUERKEMPER:

… NACH WAS TRACHTET EIGENTLICH EIN BETRACHTETES OBJEKT?

EIN GESPRÄCH MIT SVEN DRÜHl

Figuration? Aquarell? Noch vor einigen Jahren hätten diese beiden Begriffe ausgereicht, um jemanden vorübergehend mundtot zu machen. Künstler, die in diesem Bereich verortet wurden, waren alles andere als zeitgemäß. Das hat sich spätestens seit dem imposanten Erfolg von Künstlerinnen wie Elisabeth Peyton und Karen Kilimnik geändert. Das figurative Aquarell hat sich seinen Markt und Status zurückerobert. Caro Suerkemper agiert in diesem schwierigen tradierten Kontext, doch nicht erst seit der Rehabilitation, sondern schon seit ihrer Berliner Studienzeit. Die detailverliebten, in höchstem Maße virtuos gemalten Blätter Suerkempers zeigen auf den ersten Blick häufig das einfache, reale Leben, jedoch stets ohne ins Banale abzugleiten. Egal was zu sehen ist – Bräute, Gefesselte, Sportler, Tanzende, Menschen in Trachten – immer wirken die Szenen eigentümlich brüchig, irreal und bedrohlich – ganz so als lauere etwas Unheimliches unter der schönen Oberfläche.

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Sven Drühl: Früher waren deine Arbeiten meiner Meinung nach immer sehr – entschuldige den Ausdruck – nett, es gab viele Ballerinen etc., heute ist das alles ein wenig härter. Da gibt es Themen wie Selbstmord, Bondage, Nekrophilie – woher kommt das?

Caro Suerkemper: Ich würde das nicht als Thema bezeichnen. Tod und Gewalt können als szenischer Rahmen begriffen werden, das Thema liegt tiefer. Mögliche Themen sind für mich z. B. Ignoranz oder Verlassenheit, eben Gefühlszustände, Befindlichkeiten. Tod und Gewalt sind Ursache oder Folge von Gefühlszuständen. Mord- oder Todesszenen sind auch schon früher aufgetaucht, erinnere dich nur an den „Kannibalen“, der sich mit vier abgeschlagenen Frauenköpfen…

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