Magazin: Bücher · von Cornelia Gockel · S. 415
Magazin: Bücher , 2003

Back from Utopia

The Challenge of the Modern Movement

Eine Kathedrale wollten sie errichten, wie damals im Mittelalter, als es noch keine Trennung zwischen Maler , Architekt und Kunsthandwerker gab. Als das Bauhaus in Dessau 1919 gegründet wurde, flogen die Gedanken hoch. „Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird, Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallines Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens.“, schrieb Walter Gropius enthusiastisch in das Gründungsmanifest. Mit guter Architektur wollten sie die Lebensbedingungen, die politische Situation, die Welt verändern. „Form follows function“ lautete ihre Devise, die der amerikanische Architekt Louis Sullivan 1896 in seinem viel beachteten Artikel formuliert hatte. Am konsequentesten vertrat wohl Hannes Meyer von den Lehrern am Bauhaus diese These, in dem er Bauen auf die schlichte Formel „Funktion mal Ökonomie“ reduzierte. Aus dem Prinzip der Rationalität entwickelte Le Corbusier in Frankreich seine Vorstellung vom Haus als eine Wohnmaschine. Ebenso wie das Bauhaus verband auch Le Corbusier mit der Architektur einen erzieherischen Auftrag. Bei ihm kam es jedoch zu einer völligen Überschätzung der Rolle des Architekten, die schließlich in der Vorstellung eines quasi religiösen Erlösers der Menschheit gipfelte. Geometrische Grundformen wurden zur absoluten Wahrheit erhoben, der sich alles unterwerfen musste.

Die Architekten der Moderne sind mit ihren Utopien gescheitert. Doch für die Entwicklung der Architektur im 20. Jahrhundert waren ihre Ideen und Projekte von großer Bedeutung. Was ist heute davon übrig geblieben? Sind ihre optimistischen Ideale, soziologischen, kulturellen…

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