Titel: Borderlines · von Martin Seidel · S. 60
Titel: Borderlines ,

Borderlines – Ein Bild-Wort-Essay

von Martin Seidel

Aby Warburg (1866 – 1929) war Kunsthistoriker, der weit über Stilfragen hinausging. Als Begründer der Ikonologie wurde er zum Bild- und Kulturwissenschaftler und wird als solcher gerne als Vorläufer des „Iconic turn“ mit seinen globalen Ansprüchen betrachtet. Seiner berühmten Kulturwissenschaftlichen Bibliothek erst in Hamburg, dann in London legte Aby Warburg seinerzeit das zunächst ungeordnet erscheinende grenzsprengende und fachübergreifende „Prinzip der guten Nachbarschaft“ zugrunde. Das war für den schnellen Gebrauch nicht sehr geeignet, hatte aber Methode und war erkenntnisfördernd. Gleiches gilt für Warburgs unvollendetes Projekt des Bildatlas. Über 2.000 Bilder hatte Warburg für die Anbringung auf schwarz bespannten Tableaus gesammelt, um so dem Fortleben antiker Ausdrucksmotive in der späteren bildenden Kunst, aber auch in den Bildern zum Beispiel von Mode, Sport oder Werbung nachzuspüren. Der Bildatlas bildete kein geschlossenes System und keinen Diskurs mit Anfang und Ende. Warburg selbst wollte ihm den Untertitel „Ikonologie des Zwischenraums“ geben und verstand ihn als eine Art Modell gegen die üblichen verengenden Aneignungstendenzen traditionellen wissenschaftlichen Klassifizierens.

Ähnlich versteht sich der folgende Bild-Wort-Essay. Zwanglos in Kapitel unterteilt, bringt er Bilder zusammen, die die Borderlines-Thematik der Künste, Nichtkünste und Nichtkunstkünste eher assoziativ als kausal-analytisch illustrieren. Der Essay hat nicht die Absicht, die Entgrenzungen zu typisieren, sondern die Absicht, Grenzen noch weiter in Frage zu stellen, ohne daraus Forderungen, Behauptungen oder Thesen abzuleiten oder zu bilden. Vielleicht öffnet er an der einen oder anderen Stelle dem Denken und Befinden über Kunst neue Möglichkeitsräume und der Welt neue spielerische Erlebnisräume.

Eine 10.000 Pfund schwere Frage: Is…

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