Ausstellungen: Berlin · von Matthias Reichelt · S. 236
Ausstellungen: Berlin ,

Berlin

Jack Whitten

Jack’s Jacks

Hamburger Bahnhof 29.03.– 01.09.2019

von Matthias Reichelt

Acrylmalerei wie geschachtelte Mosaiken, zusammengesetzt aus kleinsten Rechtecken, dann wieder polymorph, so der erste Eindruck von Jack Whittens Gemälden. Das Werk wird für die meisten völlig unbekannt sein, denn es ist die erste umfassendere Ausstellung in Europa. Der im letzten Jahr kurz nach seinem 78. Geburtstag gestorbene afroamerikanische Künstler wurde 1939 in Alabama geboren und war lange Zeit auch in den USA ein übersehener Maler. Whitten war sein ganzes Leben mit rassistischen Verhältnissen konfrontiert, die auch den Kunstbetrieb in Gestalt tiefgehender Ignoranz lange bestimmten, so wurde ihm der Besuch des Birmingham Museum of Art in Alabama verwehrt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat eine selbstkritische Auseinandersetzung des Betriebs sowohl in den USA als auch hierzulande mit der bis dato stillschweigenden Ausgrenzung oder Ignoranz gegenüber der Kunst von Frauen wie auch von Künstlerinnen und Künstlern mit anderen ethnischen Wurzeln begonnen. Dieser neuen Sensibilität, die vielerorts auch zur Überprüfung des musealen Kanons führt, ist es wohl auch zu verdanken, dass Whittens außerordentlich eigenständiges malerisches Werk nun erst in Europa zu entdecken ist.

Whitten war Teil der schwarzen Bürgerrechtsbewegung und lernte während des Busboykotts in Montgomery, 1955 / 56, Martin Luther King jr. kennen. Die in den Südstaaten der USA praktizierte Segregation bezeichnete Whitten später als „amerikanische Apartheid“. Sein Kunststudium begann er 1959 an der Southern University in Baton Rouge, Louisiana. Bereits ein Jahr später verließ er die Stadt aufgrund der dort herrschenden rassistischen Gewalt und des Hasses und setzte das Studium in New York City an…

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