Titel: Borderlines · von Alexander Press · S. 168
Titel: Borderlines ,

Comics, das ewige Talent?

Potentiale der „neunten Kunst“

von Alexander Press

KUNST UND COMICS?

Die Stationen der Nobilitierung des Comics seit seiner Entstehung um 1900 herum, sind viel mehr ein Kapitel der Mediengeschichte als ein Teil der Kunstgeschichte. Zunehmend werden Comics, Comicautor*innen und Comiczeichner*innen in der jüngeren Vergangenheit in musealen Kontexten rezipiert. Sei es mit Fokus auf den neu entstandenen Akteur des / r Comickünstler*in, mit diskursanalytisch ausgerichteten Ausstellungen zu Holocausterzählungen im Comic oder thematischen Präsentationen zu dokumentarischen und feministischen Comics. Vor dem Hintergrund einer florierenden Comicwissenschaft1, regelmäßiger Besprechungen im Feuilleton und nicht zuletzt der marketingstrategischen Einführung des Begriffs „Graphic Novel“ erscheint der Versuch sinnvoll, nach Tendenzen wechselseitiger Annäherung von Comic und „Hochkunst“ zu fragen. Folgt dieser institutionellen Adelung die Eingliederung ins Referenzfeld Kunst, oder haben wir es mit einem eigenen ästhetischen Wirkungsfeld zu tun?

Es finden sich viele Künstler*innen, die sich der Ästhetik des Comics als künstlerischem Material bedienen, ohne es bei einer Adaption formaler Eigenschaften zu belassen. Im Rückbezug auf den vertrauten Bestand der Comics entwickeln die Künstler*innen eigene Strategien, um ihrer Intention eine Form zu geben. Als ein Beispiel sei hier der afroamerikanische Künstler William Pope.L genannt, der sich in seiner Kunstaktion The Great White Way, 22 miles, 9 years, 1 street in einem Superman-Kostüm kriechend den New Yorker Broadway entlangschleppt. Die Künstler*innen kalkulieren mit den Seherfahrungen der Betrachter*innen. Die bearbeitende, verfremdende, dekonstruierende Aneignung des Comics, seines Formeninventars und Bildmaterials ist hier nichts Geringeres als der Rückgriff auf ein vielschichtiges Diskursfeld der Gegenwart.2

Während die populärste Erscheinung, die Superhelden und ihre transmediale Dauerpräsenz3

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