Titel: Borderlines · von Gesa Ziemer · S. 96
Titel: Borderlines ,

Ein weißes Pferd

Kunst im Reallabor Stadt

von Gesa Ziemer

Eine Stadt in Europa. Man schlendert durch einen Stadtteil und findet einen urbanen Garten, der von einer Gemeinschaft aus Nachbarn verschiedener Herkunft und von unterschiedlichen Generationen gepflegt wird. Hier geht es offensichtlich nicht nur um den Anbau von Pflanzen, sondern vor allem um die gemeinschaftliche Aktivität und meist auch um die Aneignung eines öffentlichen Raumes, der als Freiraum in der Stadt geschützt werden soll: Kinder spielen, man realisiert lokale Lebensmittelproduktion, tauscht sich aus, artikuliert sich politisch; man versucht Öffentlichkeit, Gemeinschaft und Gemeinsinn zu erzeugen. Eine andere Stadt in Europa. In einem Park mit einer Wiese, der gleichzeitig die Überdeckelung einer Autobahn ist, steht ein weißes Pferd. Es heisst Hannibal und ist ein Kaltblutwallach, der drei Wochen im Sommer auf der Grünfläche grast, die sonst von den Anwohner*innen kaum genutzt wird. Das Projekt heisst „Werkstatt für Veränderung“ und die Künstlerin nennt die Ansiedelung des Pferdes eine „raumbildende Maßnahme“1 Nach Ankunft des Pferdes ist der Park voller Menschen, die das Tier beobachten und oft untereinander das erste Mal in Kontakt miteinander treten. Diese Kontaktaufnahme wird flankiert von einer Reihe von Projekten wie Mal-, Schreib- oder Filmwerkstätten mit Kindern und Jugendlichen, die ebenfalls gut besucht sind. Das Projekt ist auf zehn Jahre angelegt und bietet jeden Sommer andere aktivierende Maßnahmen im Park. Auch hier wird über einen langen Zeitraum Öffentlichkeit, Gemeinschaft und Gemeinsinn erzeugt.

Diese beiden Beispiele haben zwei Dinge gemeinsam: Sie finden an urbanen Orten statt, welche für Stadtentwicklung und Politik eine Herausforderung darstellen: Urbane Gärten…

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