Gespräche mit Kunstvermittlern · S. 334
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1988

…dann spüre ich Lust, die Regeln umzustoßen…

Vom 22 Juni bis zum 25. September 1988 wird in Berlin die große Ausstellung „ZEITLOS Kunst von heute“ stattfinden, die Harald Szeemann im Hamburger Bahnhof einrichtet.

Thomas Wulffen sprach mit dem Kurator der Ausstellung.

Szeemann: James Lee Byars macht mit. Ich möchte gerne, daß er die Fahne „Philosophy of Question“ auf den Bahnhofstürmen flattern läßt und ein neues Transparent entwirft, also eher ephemere Interventionen. Er ist natürlich ein wenig enttäuscht, weil er sich vorgestellt hat, eine größere Arbeit machen zu können. Aber seine statischen Werke brauchen einen anderen Rahmen. Alles muß dann kostbar ,., sein, man muß die Wände streichen, Böden reinlegen und wenn damit begonnen wird, muß der ganze Bahnhof kostbar gemacht werden. Diese Feierlichkeit, die in Zürich möglich war, hier läßt sie sich einfach nicht herstellen.

Frage: Sie verwenden das Gebäude also in dem Rohzustand, in dem es jetzt dasteht?

Szeemann: Ja. In der großen Halle wird gar nichts verändert. Und das zeitigt Folgen: Rabino-witch zum Beispiel wollte seine letzte Skulptur hier aufstellen. Ich dachte, daß sie hier nicht funktioniert, weil für sie ein engerer Raum vorhanden sein muß. Ich sagte: es ist am besten, du kommst und guckst. Aufgrund des Fotos von der großen Halle hat er sich schon im Flugzeug überlegt, daß es besser ist, er macht gleich zwei feste Körper, die im Raum stehen und keinen Dialog von Seitenschiff zu Seitenschiff. Ich bin froh, die meisten Künstler waren hier. Eigentlich sollte man die Sache jetzt im Griff haben. In den Seitenräumen schleifen wir…

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