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Kunstforum-Gespräche · S. 331 - 333
Kunstforum-Gespräche , 1988

Den Wert der Kunst für die Gesellschaft noch nicht erkannt

Jürgen Raap im Gespräch mit Dieter Wolf
zur Kulturpolitik der GRÜNEN

Die Geschichte der deutschen Linken ist – anders als etwa bei ihren ideologischen Bundesgenossen in Italien oder Frankreich – durch ein tiefsitzendes Mißtrauen gegenüber der bürgerlich-repräsentativen „Hochkultur“ geprägt. Mit Kunst wurde sich ausschließlich unter der Fragestellung beschäftigt, ob sie dem Fortschritt der Arbeiterklasse dienlich sei. Die GRÜNEN setzen diese Tradition fort, auch wenn ihnen Joseph Beuys oder der Rock-Star Udo Lindenberg als Wahlkampflokomotive höchst willkommen waren und ein erheblicher Teil der grünen Wähler-Klientel aus der akademisch gebildeten Mittelschicht mit einem starken Bedürfnis nach Kunst und Kultur stammt. Aber was nicht eindeutig der „Alternativkultur“ zuzurechnen ist, wurde von den GRÜNEN bislang ignoriert oder gar diffamiert, der kommerzielle Kunstbetrieb gehört zum Feindbild der GRÜNEN wie die Nuklearindustrie. Daß aber Wirtschaft und Industrie im Kulturleben einer Stadt oder einer Region ein äußerst wichtiges Kriterium für Standortentscheidungen sehen und die Landes- wie die Kommunalpolitik darauf entsprechend reagiert -siehe Frankfurt -.dürfte die GRÜNEN allerdings zum Umdenken zwingen.

KUNSTFORUM Band 93 setzte sich in der Titelgeschichte „Kunst und Ökologie“ unter anderem mit der Kulturpolitik der GRÜNEN in Osterreich auseinander. Jürgen Raap hatte jetzt Gelegenheit mit einem Vertreter der GRÜNEN der BRD zu sprechen, mit Dieter Wolf, der im Kreisvorstand der Kölner GRÜNEN für Kultur und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und bereits zur letzten Bundestagswahl als „Wahlkampfkoordinator“ Kulturprogramme organisierte.

Frage: Dieter Wolf, man hat den Eindruck, hinter den grünen Haupt-Themen „Umwelt“, „Friedenspolitik“ und „Neue soziale Bewegungen“ fristet die Kulturpolitik ein Schattendasein….

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