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Gespräche mit Kunstvermittlern · S. 327 - 330
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1988

Zu falschem Zeitpunkt aus falscher Gesinnung

Peter Funken im Gespräch mit Johannes Stüttgen über die Berliner Beuys-Ausstellung *

Stüttgen: Einen sehr beklemmenden Eindruck. Vieles hat sich bestätigt, was so kommen mußte und was ich vorhergesagt habe. Meine Kritik an der Ausstellung ist die, daß sie zu einem falschen Zeitpunkt und aus einer völlig falschen Gesinnung heraus entstanden ist. Mit dem falschen Zeitpunkt meine ich, daß es so kurz nach dem Tod von Beuys überhaupt nicht möglich ist, eine plausible Konzeption einer Ausstellung dieses Ausmaßes zu entwickeln. Die Konzeption von Beuys bezog sich immer schon auf das plastische Integral seines erweiterten Kunstbegriffs, das meines Erachtens bisher überhaupt noch nicht restlos durchdrungen ist. Man sollte also sehr vorsichtig sein. Das betrifft den Zeitpunkt. Man hält das plastische Vakuum, das durch den Tod von Beuys entstanden ist, heute einfach noch nicht aus. Man übt keine Geduld.

Der zweite Punkt ist die falsche Gesinnung: Man nimmt sich nicht die Zeit, die Sorgfalt und die Liebe, die für ein solch umfassendes Werk erforderlich ist -ein Werk, in dem es ja um die Doppelgestalt des Sichtbaren und des Unsichtbaren geht. In Berlin wird im Bereich des Sichtbaren Masse aufgefahren, additiv nebeneinandersetzt und dann noch mit didaktischen Erklärungen versehen. Der Arbeit wird so das Geheimnis entzogen. Das heißt, die eigentliche Wirksamkeit wird zurückgedrängt und es kommen falsche Interessen ins Spiel.

Frage: Könnten Sie konkreter benennen, wie Sie das meinen. Mir erschien bespielsweise die Installation „Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch“ nicht gut placiert auf dem Mosaik der Rotunde. Das schien mir nicht…

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