Ausstellungen: München · S. 361
Ausstellungen: München , 1990

Hanne Weskott

Das Buch des Künstlers

Akademie der Schönen Künste, 14.10.-26.11.1989

Die Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel ist eine der traditionsreichsten Büchersammlungen in Deutschland. Sie beherbergt nicht nur das unter spektakulären Umständen erworbene Evangeliar Heinrichs des Löwen, sondern kann in der Reihe ihrer Bibliothekare auf keinen Geringeren als Gotthold Ephraim Lessing verweisen. Einer seiner Nachfolger, Erhart Kästner, sah in dem wohlgeordneten historischen Bestand eine Aufgabe für die Zukunft. Er begann, Bücher von zeitgenössischen Künstlern zu sammeln. Der Bestand an Malerbüchern weist heute unter Paul Raabe nach etwa 30 Jahren immerhin über 750 Exemplare auf. Als Carl Haenlein von der Kestner-Gesellschaft der Vorschlag gemacht wurde, 25 „schönste“ auszuwählen, nahm er diesen begeistert auf, und Heinz Friedrich von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste schloß sich dem Vorhaben an.

Um der Besonderheit der Ausstellung der 25 „schönsten“ gerecht zu werden, aber auch um das leidige Präsentationsproblem von Buchausstellungen zu umgehen, bat Haenlein Walter Pichler, der im Burgenland für seine Skulpturen eigene Gehäuse baut, um einen Entwurf für Buchhäuser. Angesichts der überaus gelungenen Vitrinen spricht Haenlein stolz von einer „zivilisationsträchtigen Siedlung, erbaut zu Ehren des Buches des Künstlers“. Die formale Klarheit jedenfalls erlaubt eine den verschiedenen Räumlichkeiten angepaßte Ordnung und präsentiert dem Besucher die ausgewählten Blätter in Augenhöhe und ohne jede lästige Spiegelung.

Die Ausstellung umfaßt einen Zeitraum von 40 Jahren und beginnt mit Max Ernsts „Histoire Naturelle“ von 1926. Ernst, der im Gegensatz zu vielen seiner „Nachfolger“ Bücher in großer Auflage und in gebundener Form schuf, kann als einer der Protagonisten des Künstlerbuches des 20. Jahrhunderts gelten. Diesen Rang…

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