Titel: Kunst und Krieg , 2003

GOEDART PALM

DAS FORMAT DES UNFASSLICHEN

DER KRIEG ALS MEDIENSPEKTAKEL

„Wo Schaffen und Hervorbringen der Zweck ist, da ist das Gebiet der Kunst; die Wissenschaft herrscht, wo Erforschen und Wissen das Ziel ist. – Nach allem dem ergibt sich von selbst, dass es passender sei, Kriegskunst als Kriegswissenschaft zu sagen.“1
(Carl von Clausewitz)

Von welcher Kriegskunst reden wir dagegen? Gibt es neben der Feldherrenkunst, der seit Jahrtausenden emphatisch beschworenen „Kunst des Krieges“ (Sun Tzu2), überhaupt eine genuine Kriegskunst, die ihren Gegenstand künstlerisch so zu fassen vermag wie der Krieg, der mit mächtigen Instrumenten die Wirklichkeit seinen eigenen Formgesetzen unterwirft? Wie die Kunst mobilisiert auch der Krieg den Schein, um die Wirklichkeit zu treffen: „Siegen wird, wer den Kunstgriff der Täuschung beherrscht.“3 Aber ist Kriegskunst nicht eine contradictio in adjecto, deren ästhetische Kriegsgewinne nicht weniger schmählich wären als materielle?4 Der Krieg ist ein alter Motor künstlerischer Einbildungskraft, die ohnehin verdächtig ist, selbst in ihren höchsten Entwürfen zugleich auch Dokumente der Barbarei zu schaffen.5 Andererseits wird auch dem Kriege immer wieder von einer Kulturtheorie zugerüstet, die etwa Johan Huizinga in der Verwandtschaft von Krieg und Spiel begründen will. Doch trotz ihrer vermeintlich gemeinsamen Herkunft kann gerade die fundamentale Differenz von „Homo ludens“ und „Homo hostilis“ nicht a priori einer unentrinnbaren Ontologie des Krieges und seiner Akteure geopfert werden. Die Geschichte des Verhältnisses von Kunst und Krieg lässt sich als Paradigma der Widersprüche in der ethisch-ästhetischen Wahrnehmung des Krieges verfolgen, die sich auch gegenwärtig noch als Bilderstreit zwischen staatlich verordnetem Medienkriegsdesign6 und künstlerischer Gegenaufklärung präsentiert.

DER KRIEG…

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