Titel: Kunst und Krieg · von Florian Rötzer · S. 36
Titel: Kunst und Krieg , 2003

Kunst und Krieg

MEDIENUMBRÜCHE UND EPOCHALE VERÄNDERUNGEN
HERAUSGEGEBEN VON FLORIAN RÖTZER UND SARA ROGENHOFER

Ob der Krieg (polemos), wie Heraklit in der Geburtszeit der westlichen Philosophie gesagt haben soll, etwas Allgemeines und „der Vater aller Dinge und von allem der König“ ist, sei dahingestellt. Aber die bekannte Äußerung weist neben der Verankerung von Widerstreit und Konkurrenz in das Weltgeschehen darauf hin, dass Kriege für lange Zeit als selbstverständliche Vorkommnisse in einer Welt betrachtet wurden, in der zwischen Gemeinschaften Gewalt und Begehrlichkeiten herrschen und in der Kriege, wie wir dies auch jetzt wieder erfahren haben, die Gemeinschaft und die Machthaber der Gemeinschaft stärken. Kriege sind entscheidende Motoren der Geschichte, der politischen und geopolitischen Strukturen, der Technowissenschaften und damit auch der Kultur gewesen.

„Die Politik ist der mit anderen Mitteln fortgeführte Krieg.“ –
Michel Foucault

Beispielsweise ist bis zur Erfindung der Kanonen die Stadtkultur, auf der Grundlage ihrer verdichteten und von Mauern umgebenen Raumkonzentration und der Arbeitsteiligkeit, gleichzeitig Schutz vor dem Krieg und Anschub für Kriege gewesen. Mit dem Zweiten Weltkrieg, den Luftangriffen, der Atombombe und den Präzisionsbomben als dem Höhepunkt der technischen Kriegsführung aus der Ferne, aber auch mit den zunehmend nicht-konventionellen Konflikten und dem Terrorismus findet der Krieg nun zunehmend mehr in den Städten statt. Möglicherweise ist dies eine geschichtliche Wende, schließlich herrscht die urbane Kultur, dieser Fermenter bis heute. Doch wenn nun die Stadt als eine Art Bunker und als zivilisatorisches Treibhaus selbst zum Schlachtfeld wird, könnte die Stadt mit ihren Institutionen als primäre Kulturmaschine an ihr Ende gelangt sein und mit…

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