Gespräche mit Künstlern , 2003

PETER MÖNNIG

PARALLELE MODELLE

EIN GESPRÄCH MIT JÜRGEN RAAP

Döner, Lorbeer und Tumulte“. Der Bildhauer Peter Mönnig zeigte kürzlich im Römisch-Germanischen Museum Köln seine „Ausgrabungen zur Pax Romana“. In freier Assoziation macht er Strukturen sichtbar, die von der Antike bis in unsere Gegenwart eine Kontinuität aufweisen. In der Organisation von Militärmacht und Warenfluss, auch in den Prozessen von Migration und Kulturtransfer lassen sich Analogien zwischen dem Imperium Romanum und unserer heutigen postmodernen Welt ablesen. Geschichte wiederholt sich nicht in konkreten Ereignissen, wohl aber in strukturellen Übereinstimmungen: Die römische Sesterze z.B. hatte die währungspolitische Funktion eines antiken Euro. Der globale kulinarische Siegeszug des oströmischen Grillspießes (Gyros, Döner) hält bis heute an. Mönnigs „Archäologie der Jetztzeit“ ist jedoch nicht als Science Fiction misszuverstehen, denn er fingiert nicht, sondern analysiert.

Jürgen Raap: Du hast dich lange Jahre mit der Chaos- und Systemtheorie beschäftigt. Deine Leuchtkästen-Skulpturen zeigen eine Aufreihung homogener Elemente, meistens aus der Alltagskultur. In dieser Reihe befindet sich dann immer ein Element, das die Systematik durchbricht und ein Moment der Irritation darstellt. Wie ist das als Vorgehensweise in der Bildhauerei zu verstehen?

Peter Mönnig: Generell wird ein System von Dingen durch die Zugabe eines Fremdkörpers chaotisiert. Es entstehen neue Beziehungsgefüge durch Reibung, durch Energiezufuhr. Eine solche Dynamik ist eine Art semiotischer Antriebsakt. Dieses Prinzip verfolge ich auch in der Bildhauerei. Dabei arbeite ich mit Assoziationsketten: Euro-Münzen mit dem Aufdruck „Gerechter Krieg“ sind eine kulturgeschichtliche „Zeichenlawine“.

Das bedeutet eine Absage an die klassische Bildhauerei?

In der Tat muss die Bildhauerei mit den entfesselten Datenströmen in der heutigen Informationsgesellschaft Schritt halten….

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