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Ausstellungen: Wolfsburg · von Michael Stoeber · S. 294 - 296
Ausstellungen: Wolfsburg , 2003

MICHAEL STOEBER
Painting Pictures

Kunstmuseum Wolfsburg, 28.2. – 29.6.2003

In der Geschichte der Philosophie findet sich ein ebenso amüsantes wie sinniges Missverständnis. Da müht sich der große Aristoteles, die Aporien des Zenon zu widerlegen. Er rechnet genau aus, wann der flinke Achill die langsame Schildkröte eingeholt haben wird, von der Zenon behauptet, sie könne nie eingeholt werden. Oder er kritisiert den fliegenden Pfeil, der nach Meinung Zenons in Wahrheit ruht. Man muss sich das so vorstellen: Zenon spaltet die fließende Zeit auf in eine Reihe von Einzelzuständen, wie sich auch eine Filmsequenz in ihre Einzelbilder (film stills) aufteilen lässt. So aber denkt Aristoteles nicht: für ihn ist die Zeit ein Kontinuum. Ähnlich scheint es den Wolfsburgern mit ihrer großen Ausstellung “Painting Pictures” ergangen zu sein. Viele Kritiker mochten nicht so denken wie die Kuratoren. Noch eine Ausstellung, um die Malerei zu retten oder zu rechtfertigen, stöhnten sie, das brauche man doch nun wirklich nicht mehr. Duchamps provokante These vom Ende der “retinalen” Kunst sei doch längst widerlegt und mehr denn je erlebe die Malerei gerade in den letzten Jahren eine Renaissance.

Aber Gijs van Tuyl und Annelie Lütgens hatten anderes im Sinn, worauf nicht zuletzt der Untertitel der Ausstellung, “Malerei und Medien im digitalen Zeitalter” hinweist. Es geht ihnen nicht primär um das in klassischer Manier mit Leinwand und Pinsel gemalte Bild, sondern um die Demonstration einer fortdauernden Kontinuität malerischer Prinzipien in der zeitgenössischen Kunst. Nicht nur im Tafelbild, sondern auch in Fotografie, Film und Video. Wer will, mag hier eine Renaissance des…


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