Ausstellungen: Berlin · von Claudia Wahjudi · S. 272
Ausstellungen: Berlin , 2003

CLAUDIA WAHJUDI

Rituale

Akademie der Künste, Berlin, 6.4. – 11.5.2003

Die Kakophonie betört. Über ein trockenes Klappern, stetig wie ein elektronischer Beat, schiebt sich die britische Nationalhymne, vermischt mit Hufgetrappel, und über Allem jubiliert eine helle Frauenstimme. Die Quelle des Gesangs bleibt dem Besucher, der die Halle betritt, zunächst verborgen. Die Herkunft von Klappern und Hymne ist jedoch offensichtlich. Direkt neben der Tür läuft das Video der Performance „My America“, die der in den USA lebende chinesische Künstler Zhang Huan 1999 im Asia Art Museum von Seattle veranstaltete: Nackte Nordamerikaner werfen sich wie auf einer buddhistischen Pilgrimage zu Boden und schlagen dabei rituelle Instrumente. Und vis à vis zeigt der Brite Mark Wallinger auf vier Monitoren den königlichen Einzug auf die Rennbahn von Ascot. Vier Aufzeichnungen aus vier Jahren: Man könnte sie für identisch halten, trüge Queen Mum nicht einmal Lindgrün und einmal Rosé. Die Ausstellung, so lässt diese Ouvertüre vermuten, inszeniert anhand sinnentleerter Zeremonien einen wohltemperierten Clash der Kulturen. Doch so einfach ist es nicht.

„Rituale“ an der Berliner Akademie der Künste zeigt Beiträge vor allem aus Westeuropa und den USA. Arbeiten (fast) aller Genres von Beuys, Mischa Kuball/ Lawrence Weiner und Via Lewandowsky, von Ulrike Ottinger, Ingeborg Lüscher, Sophie Calle, Adrià Julià und Mariko Mori sollen Aufschluss geben über die aktuelle Bedeutung symbolischer Handlungen, die in westlichen Kulturkreisen ihre religiösen Aufgaben verlieren, dagegen Konjunktur in Politik, Wirtschaft und Kultur haben. Die Kuratorinnen Angelika Sommer und Nina Muecke haben unterschiedliche Funktionen von Ritualen extrapoliert: Diese können als Katalysatoren der inneren Wandlung dienen, in…

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