Ausstellungen: Berlin , 2003

INGO AREND

Mauersprünge / Klopfzeichen

„Kunst und Kultur der 80er Jahre in Deutschland“

Martin-Gropius-Bau, Berlin, 15.3. – 4.5.2003

Zwar örtlich geprägt und oft genug geschunden, sind die Künste und mit ihnen Dichter und Maler ortlos geblieben und deshalb Mauerspringer aus Passion. Ihnen kann nachhaltig keine Grenze gezogen werden.“ Das Zitat von Günter Grass stammt aus dem Jahr 1982. Was heute wie die Begründung für eine neue Globalisierungskritik klingt, war auf den deutsch-deutschen Kulturaustausch gemünzt. Und in der Tat kann man sich für die achtziger Jahre kaum eine schlagendere Beweisführung für die beliebte These von der völkerverbindenden Kraft der Kultur vorstellen als die deutsch-deutschen-Kulturkontakte in dieser Zeit. Von den offiziellen Schriftstellertreffen bis zur dadaistischen Verbrüderung in den privaten off-Galerien des Prenzlauer Bergs reicht das Panorama der Kontakte, die das Diktum von den zwei deutschen Staaten mit getrennten Kulturen sachte aber stetig unterlief.

Das Problem der Ausstellung „Mauersprünge/Klopfzeichen“, das diese Erfahrungen neu beleben möchte, ist aber nicht das Thema. Sondern die Schwierigkeit, diesen unterirdischen Strom des kritischen Geistes wirklich einprägsam zu visualisieren. Die Berliner Präsentation ist der Rumpfteil der Doppelausstellung „Mauersprünge/Wahnzeichen“, die im Sommer 2002 im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig und im Museum der Bildenden Künste dort zum ersten Mal gezeigt wurde. Die Koproduktion des Bonner Hauses der Geschichte und der Bundeszentrale für politische Bildung und ihrem (ost-)deutschen Präsidenten und Kunstliebhabers Thomas Krüger war eine Antwort auf die umstrittene Ausstellung „Aufstieg und Fall der Moderne“. Die heftig kritisierte Schau mit ihrer Hängung hatte im Sommer 1999 in Weimar eine Quasi-Aburteilung der „offiziellen“ DDR-Kunst vorgenommen und eine Gleichsetzung…

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