Ausstellungen: Tampere , 2002

MICHAEL HÜBL

Der schwarze und der weiße Mond
Kain Tapper – Retrospektive

Sara Hildénin Taidemuseuo/ Sara Hildén Art Museum, Tampere, 22.9.2001 – 13.1.2002

Emma“ öffnet sich wie ein Tor. Wenn es Beine sind, die rechts und links hochragen, um sich in 3,69 Metern Höhe zu zwei satten Rundungen zu vereinen, dann steht „Emma“ da wie auf High Heels, rot, als glühte sie vor Erregung. „Emma“ (2001) ist die erste explizit erotische Skulptur des Bildhauers und Zeichners Kain Tapper und sie ist das erste Exponat, auf das man in der Retrospektive des Sara Hildén-Kunstmuseums trifft. „Emma“ ist die kesse Kumpanin von „Hun“, der bunten begehbaren Großplastik, die Niki de Saint Phalle 1966 zusammen mit Jean Tinguely und Per Olof Ultvelt ins Kunstleben entließ. Nur ist „Emma“ mehr Luder als Urmutter. Der Titel der Skulptur ist einem finnischen Herzschmerz-Schlager entlehnt: ‚Er‘ denkt an ewige Treue, ’sie‘ verschachert den Ring, den er ihr schenkt. Anfang und Ende, Alpha und Omega, liegen eben manchmal eng beieinander. Tappers zu einem hohen Bogen sich aufschwingende „Emma“ erinnert an den letzten Buchstaben im griechischen Alphabet. Damit wird sie – Eros hin, Schlager her – zu einem Zeichen für den dialektischen Grundzug eines Werks, das konsequent die Spannung hält zwischen dem Rohen, Unfertigen und seiner Überwindung, zwischen der Erinnerung an rurale Ursprünglichkeit und einer vertieften Kenntnis von den Möglichkeiten kultureller Sublimation, zwischen dem Reichtum sensueller Erfahrung und dem Tod.

In Finnland gilt die Kunst von Kain Tapper vielfach als charakteristischer Ausdruck des eigenen Selbstverständnisses, trotz der Kontroversen, die er insbesondere Anfang der…

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von Michael Hübl

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