Ausstellungen: London · von Edgar Schmitz · S. 382
Ausstellungen: London , 2002

EDGAR SCHMITZ

Mark Wallinger: No Man’s Land

Whitechapel Art Gallery, London, 16.11.2001 – 13.1.2002

Das faszinierendste an Wallingers Ausstellung ist vielleicht, wie sich einzelne Arbeiten immer wieder als Modelle für Arbeitsweise und Weltsicht anzubieten scheinen. „Fly“ (2000) präsentiert als Video auf Monitor eine Fliege auf unklar grauem Grund. Aber die Fliege erweist sich als tot, sobald andere Fliegen sich um sie gruppieren, bewegen, sie betasten. Ab und zu durchquert ein Flugzeug in der Ferne den grauen Grund und macht aus ihm einen Himmel, in dem sich plötzlich auch Wolkenmassen ausmachen lassen. Und der Grund wird damit zur doppelverglasten Fensterscheibe, in der die Fliege klemmt. Die Arbeit führt Einbindungen und Künstlichkeiten vor, zeigt wie sich Inszenierung und Banalität überschneiden können und wie sich aus ihrer Überlagerung Narratives (das Mikrodrama der Begegnungen) und Wortspielerisches ( Fly als Fliege und Fliegen) herstellen lässt. Größe und Maßstab sind dafür ebenso entscheidend wie eine atmosphärische Verlangsamung von Zeit, die sich gleichermaßen aus der optischen Stille des Bildes und der Endlosschleife aus 11 Minuten Material speist.

„Seeing is Believing“ (1997) operiert scheinbar formaler: im großformatigen Bubblejet Print erscheint das Zitat aus Ekklesiastes 18 („the eye is not satisfied with seeing nor the ear filled with hearing“) als rote und als grüne Schrift. Beide sind seitlich gegeneinander versetzt, so dass sie optisch sowohl sich überlappen als auch auseinanderfallen. Die Verschiebung behindert direkten lesenden Zugriff und führt eine Dimension der optischen Abweichung ein, mit der ein Großteil der Arbeiten operiert und deren Funktion auch in „Seeing“ doppeldeutig ist: einerseits problematisiert die Arbeit…

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