Ausstellungen: Köln , 2004

MARTIN SEIDEL

Deutschland sucht

Kölnischer Kunstverein, 17.7. – 19.9.2004

Gerne greift die Kunstwelt wieder in die Kiste nationaler Labels. Man inszeniert eine Länderschau nach der anderen, Biennalen und Mini-Biennalen mit Länderpavillons und Auslesen von Künstlern, die für diverse Kunstregionen typisch und/oder wichtig sind oder zumindest so tun, als seien sie dies. Man bringt „deutsche Malerei“ unters Volk, junge britische Kunst sowieso, finnische Fotografie, en bloc afrikanische Kunst (auch wenn die Künstler überall, nur nicht in Afrika leben und arbeiten) und sucht, wie jetzt in Bochum, „New Identities“.

Man verfällt aufs Nationale und Regionale, weil es hip ist und so schneller größere Märkte erschlossen werden; weil man dahinschwindende Eigenheiten wahren und globalem Gesichtsverlust entgegentreten will; oder weil man kleinere, überschaubarere Einheiten braucht, um zu sehen, was im Großen und Ganzen ist. Denn die Unübersichtlichkeit der Kunst mit ihren gegenläufigen autonomen und avantgardistischen Bestrebungen, ihren aufgelösten Gattungen, Werkbegriffen und der Verbindlichkeit von Schulen und dem vom „retroperspektivischen“ Diskurs ersetzten Innovationsprinzip ist ebenso groß wie die Frage der Verantwortlichkeit der Kuratoren.

Genau diese, scheint es, haben sich Jens Hoffmann (Director of Exhibitions ICA, London) und Kathrin Rhomberg (Kölnischer Kunstverein) vorgelegt und das Ausstellungsunternehmen „Deutschland sucht“ auf die Beine gestellt. „Deutschland sucht“ hört sich in Zeiten fortgeschrittener Globalisierung an wie die nationale und regionale Vorausscheidung bei der Suche nach dem internationalen Superstar. Tatsächlich aber geht es in der Ausstellung des Kölnischen Kunstvereins darum gerade nicht. Die Ideengeber haben vielmehr neun junge, Ende der 60er und Anfang bis Mitte der 70er Jahre geborene deutsche Kuratoren aus Berlin, Köln, Düsseldorf, Leipzig,…

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von Martin Seidel

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