Kunstforum-Gespräche , 2000

Die Gesellschaft macht aus
dem Produkt ein Kunstwerk

AMINE HAASE IM GESPRÄCH MIT JOHANNES CLADDERS

In diesem Jahr erhielt Johannes Cladders den „Art Cologne Preis“. Cladders (Jhg. 1924) wurde nach einem Kunstgeschichts-Studium in Köln und Bonn 1957 Assistent von Paul Wember am Krefelder Museum. Zehn Jahre danach übernahm Cladders die Leitung des Mönchengladbacher Museums – zunächst eine „vier-Zimmer-Wohnung“ in der Bismarckstraße. Dort organisierte er Ausstellungs-Premieren, die Kunstgeschichte schrieben: von Beuys bis Broodthaers, von Kounellis bis Penone, von Palermo bis Ruthenbeck. 1983 wurde das von Hans Hollein gebaute Museum am Abteiberg in Mönchengladbach eröffnet, und ein Jahr später gab Cladders die Museums-Leitung an Dierk Stemmler weiter. In einem Gespräch erläutert Cladders seinen Kunstbegriff, dessen Umsetzung in Ausstellungspraxis für so manchen Künstler den Start in eine internationale Karriere bedeutet hat.

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Amine Haase: Herr Professor Cladders, Sie haben Ihre Arbeit als Museumsmann als „künstlerische Arbeit“ definiert. Was meinen Sie damit?

Johannes Cladders: Kunst existiert ja nicht als etwas Absolutes, etwas außerhalb jedes Kontextes. Es ist vielmehr ein Phänomen, das sich innerhalb einer Gesellschaft bildet. Man muss also nach den Kriterien und Umständen fragen, die es dazu kommen lassen, dass etwas Kunst wird. Um es neutral zu formulieren: ein Produzent macht immer nur ein Werk, die Gesellschaft macht daraus ein Kunstwerk – das hat schon Marcel Duchamp gewusst. Für die Gesellschaft steht nicht zuletzt die Institution Museum, das an diesem Prozess beteiligt ist. Insofern verstehe ich Museums-Arbeit auch als künstlerische Arbeit. Sie bringt ein Werk mit auf den Weg, damit es ein Werk der Kunst wird.

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