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Titel: Bild und Seele · S. 282 - 285
Titel: Bild und Seele , 1989

Jürgen Glaesemer
Die Gleichzeitigkeit des Anderen

KUNSTMUSEUM BERN, 21.3.-14.6.1987

EIN GESPRÄCH* MIT PAOLO BIANCHI UND CHRISTOPH DOSWALD

P.B./C.D.: Was hat Sie veranlaßt, dieses doch sehr umstrittene Thema in einer solch groß angelegten Ausstellung aufzuarbeiten?

J.G.: Auslösendes, oder sagen wir provozierendes Element war die „Primitivism“ Ausstellung des Museum of Modern Art in New York, wo die Objekte fremder Kulturen überhaupt nicht fachgerecht eingeführt wurden. Es hieß dort einfach ‚magisches Objekt aus Afrika‘, während die Werke aus der ‚zivilisierten‘ Welt richtiggehend zelebriert wurden, was meinte, daß das, was wir machen ‚Kunst‘ sei und daß die Werke aus primitiven Kulturen einzig als formale Vorlage benutzbar seien. Man könnte das als neokolonialistische Haltung bezeichnen. Nach dieser Ausstellung habe ich gemerkt, daß es mir genau um das Gegenteil, also nicht die formalen Zusammenhänge ging, sondern um Vorstellungen, Konzepte und Visionen, vielleicht auch um die Lebenshaltung. Ich wollte also den inneren Kontext diskutieren. Es ging mir nicht um eine allgemeingültige Theoriebildung, sondern um die Erörterung einer Frage, die ich erstmal den Künstlern vorgelegt habe. Ich wollte diese Frage in Zusammenarbeit mit den Künstler und den Schriftstellern bearbeiten, um irgendetwas anzutippen, zu öffnen und lebendig werden zu lassen, was sonst nur nebenbei mitläuft. Es geht in dieser Ausstellung um Fragen, die mir wichtig und zentral scheinen in der Auseinandersetzung mit Kultur und Kunst und mit unserem eigenen, existentiellen Befinden.

Meine Vorstellung ist, daß man wirklich ganz sinnlich und unmittelbar in die Ausstellung einsteigt und nicht in erster Linie durch den Kopf, sondern vor allem durch das Empfinden, durch das Gefühl, die…


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