Titel: Bild und Seele , 1989

Max Wechsler

„Doufi“ – Opfer einer Unzahl von Unglücksfällen

ÜBER ADOLF WÖLFLIS LITERARISCHES WERK

Walter Morgenthalers 1921 erschienene Monographie über Adolf Wölfli (1864-1930), „Ein Geisteskranker als Künstler“, machte dessen abseitiges Werk bekannt. Morgenthaler hat in seiner Monographie den Versuch unternommen, den kranken Wölfli als Künstler zu begreifen. Er schreibt: „Dieser Mann ist anders als der Durchschnitt der Kranken und Gesunden.“ Und: „Dieses Aders- und Eigenartige gerade ist das, was unseren Kranken zum Künstler macht.“

Von Adolf Wölfli und seinem gewaltigen Werk zu berichten, heißt, vom Glücksfall eines Unglücksfalls zu sprechen: von der tragischen Wirklichkeit seines leidvollen, in der Zerrissenheit der Psychose endenden Lebens, aber auch vom Wunder einer einzigartigen künstlerischen Schöpfung, in der dieses Lebensschicksal verarbeitet und vielleicht zugleich auch überwunden ist. Bis zu seiner Einlieferung in die Bernische Irrenanstalt Waldau im Jahre 1895 durchlebte der 1864 in Bowil (Kanton Bern) geborene Wölfli ein Dasein in Armut und Elend. Schon mit neun Jahren auf sich selbst gestellt, erlitt er die Erniedrigungen eines von Bauer zu Bauer gereichten Verdingbuben, arbeitete dann an verschiedenen Orten als Bauernknecht und Handlanger, absolvierte eine Infanterierekrutenschule in Luzern und landete schließlich 1890 für zwei Jahre in der Strafanstalt St. Johannsen. Anlaß seiner Inhaftierung waren zwei Notzuchtversuche an Mädchen, also das gleiche Delikt, das ein paar Jahre später seine psychiatrische Untersuchung und Internierung in der Waldau bewirkte. In der Anstalt entwickelte Wölfli nun eine intensive künstlerische Tätigkeit, der er mit schier unermüdlichem Eifer und einem bewundernswerten Ernst nachging. So geht aus der Krankengeschichte hervor, wie er wenige Tag vor seinem Tod…

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