Titel: Bild und Seele · S. 96
Titel: Bild und Seele , 1989

Paolo Bianchi

Outsidertum am Beispiel
Jean-Michel Basquiat

„There’s no artist like a dead artist,
some dealers are fond of saying-in private:
In death, Basquiat’s fortunes will
undoubtedly rise again.“
Allan Schwartzmann 18

Jean-Michel Basquiat, Maler aus New York, Freund Andy Warhols und Graffitist, Schöpfer von „primitiv“ anmutenden Werken, ist durch seine Hautfarbe und seinen allzu frühen Tod im Alter von 27 Jahren auf dem besten Weg dazu, heute schon eine Schlüsselfigur der Kunst dieses Fin de siècle zu werden. Seine Werke in internationalen Museen der Moderne und in Privatsammlungen zeugen von der Bedeutung, die seinem Kunstschaffen zugemessen wurde, aber auch von einem nach marktstrategischem Kalkül erschaffenen Malerobjekt als Produkt von gerissenen Galeristen und eines gefräßigen Kunstmarkts. J. M. Basquiat, einst Outlaw in der subkulturellen Substanz der Graffitibewegung, des New Yorker Undergrounds, wurde alsbald als domestiziertes Exemplar des Spezies, als exotische Rarität, im Spotlight der mondänen Kunstgalerien Manhattans und der Welt gehandelt. Dem künstlerischen Werden, ja seiner künstlerischen Revolte, als Graffitist, in der Finsternis und Anonymität der Subway-Serpentinen, an den Wänden in Brooklyn, der South Bronx und des Galerienviertels SoHo, gewissermaßen in Opposition zur aktuellen Wertordnung, Verhaltensnorm und Ideologie, folgte fast zwangsläufig, wollte er sich nicht weiterhin der aufreibenden Graffitipraxis hingeben, die Integration in das gesellschaftlich geregelte Wesen des künstlerischen Institutionssystems.1 Basquiat zählte zu den finanziell Erfolgreichen, zugleich aber zu den Ausgebeuteten. Outsider blieb er immer. Sein Outsidertum ist ohne seine Biographie, ein künstlerisches Leben zwischen Brooklyn und Manhattan, wie auch den Hintergrund der Kunst-Megalopolis New York nicht zu begreifen.

Jean Michel Basquiat wurde am…

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